Heinrich von Kleists Lustspiel über das Corpus Delicti eines zerbrochenen Kruges gehört seit mehr als 200 Jahren zum Kernrepertoire des deutschsprachigen Theaters. Der Dorfrichter Adam, der über dem seltsamen Fall zu Gericht sitzt, ist der gesuchte Krugzertrümmerer. Wie Adam versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, und sich dabei an den Galgen lügt, das ist die eine Seite dieses Lustspiels.
Die andere liest sich wie ein brandaktueller Kommentar zur #MeToo-Debatte. Denn der Machtmissbrauch des Richters reicht von Urkundenfälschung über Vetternwirtschaft und Erpressung bis zu sexueller Nötigung. Es ist nicht nur die Geschichte des unrechten Adam, sondern ebenso die einer ganzen Gesellschaft, die eine fragwürdige Autorität stützt, statt Eve zuzuhören.
Die junge Regisseurin Laura Linnenbaum zeigte bisher Inszenierungen u. a. am Theater Bonn, am Staatstheater Kassel und am Berliner Ensemble. Sie ist außerdem Kuratorin und künstlerische Leiterin des Festivals Unentdeckte Nachbarn in Chemnitz, das mit dem Chemnitzer Friedenspreis ausgezeichnet wurde.


