Eine Anspielung auf den 15. August, Mariä Himmelfahrt. Ein Blick ins Programmheft erklärt, woher sich die Regie- und Bühnennbildeinfälle speisen: es ist eine Fotografie aus den 1950er Jahren, auf dem eine Braut in steifer Körperhaltung in einem Hinterhof auf einem Stuhl steht und sich ihrer Hochzeitsgesellschaft präsentiert. Der Stuhl findet sich dann auch gleich massenhaft gestapelt wieder in der Inszenierung von Charles Gounods "Roméo et Juliette".
Auch ein ungebetener Gast hat sich eingefunden: Roméo aus dem Hause Montaigu, das mit den Capulets verfeindet ist. Vorgesehen ist, dass sich Roméo und Juliette auf den ersten Blick ineinander verlieben. Nicht so in der Inszenierung von Philipp Westerbarkei, der hat das quasi ausgelagert auf ein stummes Doppelgängerpärchen, das wesentlich jünger ist und schon eher den 15jährigen Figuren der Vorlagen nahe kommt, die sich Emotionen erlauben können und im Liebestaumel herumtollen dürfen. Das Hauptpaar dagegen ist seltsam distanziert und steht beim Liebesduett maximal weit voneinander entfernt. Da darf man sich dann fragen, was die beiden aneinander finden. Offenbar will man der durch viele Interpretationen des Shakespeare-Stoffes geprägten Romantik entgehen. Daher ist Juliette von Anfang an eine Leidende, die auch einmal theatralisch hinsinken darf, von jugendlicher Unbekümmertheit ist nichts zu spüren. Eine Entwicklung der Charaktere ist nicht vorgesehen und auch ein Aufbau des Spannungsbogens durch komische Elemente kommt zu kurz. Derweil hält sich die Musik selbstverständlich an die Vorlage, was dann mintunter zu Divergenzen zwischen Libretto und Handlung führt.
Mit Ovidiu Purcell als Roméo und Luiza Fatyol als Juliette sind die beiden Partien gesanglich perfekt besetzt. Maria Boiko darf als Stéphano wenigstens ein wenig lustige Frische hereinbringen. Und auch Ibrahim Yesilay als Tybalt und Bogdan Baciu als Mercutio überzeugen. Daher gab es auch beim Publikum langanhaltenden Beifall.
Libretto von Jules Barbier und Michel Florentin Carré nach William Shakespeares Tragödie „Romeo and Juliet“.
Musikalische Leitung: David Crescenzi
Inszenierung: Philipp Westerbarkei
Bühne und Kostüme: Tatjana Ivschina
Licht: Volker Weinhart
Chorleitung: Gerhard Michalski
Choreografie: Victoria Wohlleber
Dramaturgie: Anne do Paço
Distanziert
in
Opernhaus Düsseldorf
Uraufführung/Premiere am 30. März 2019
Die Capulets feiern ein prächtiges Fest, bei dem Juliette, die Tochter des Gastgebers, wie eine Madonna inmitten der Festgesellschaft steht. Doch die Inszenierung von Philipp Westerbarkei zeigt eine distanzierte Beziehung zwischen den Liebenden, die von jugendlicher Unbekümmertheit weit entfernt sind.

Mitwirkende
Philipp Westerbarkei(Regie)
Luiza Fatyol(Schauspieler/in)
Ovidiu Purcel(Schauspieler/in)
Maria Boiko(Schauspieler/in)
Ibrahim Yesilay(Schauspieler/in)
Bogdan Baciu(Schauspieler/in)
Michael Kraus(Schauspieler/in)
Bogdan Talos(Schauspieler/in)
Marta Márquez(Schauspieler/in)
Richard Šveda(Schauspieler/in)
Joseph Lim(Schauspieler/in)
Sargis Bazhbeuk-Melikyan(Schauspieler/in)
Maria Sauckel-Plock(Schauspieler/in)
Egor Reider(Schauspieler/in)
Maria Carla Pino Cury(Schauspieler/in)
Karina Repova(Schauspieler/in)
Luis Fernando Piedra(Schauspieler/in)
Anne do Paço(Dramaturgie)
David Crescenzi(Musikalische Leitung)
Tatjana Ivschina(Bühnenbild)
Volker Weinhart(Lichtdesign)
Gerhard Michalski(Ensemble)
Victoria Wohlleber(Choreografie)
Spielzeiten
Samstag, 30. März 2019
(Premiere / Uraufführung)

