„In Griechenland gibt es eine sehr spannende Kulturszene, die nicht mehr die antiken Stoffe, sondern vor allem das alltägliche Leben, die mitunter schwierige Lage beleuchtet und so ein junges Publikum anzieht“, sagt Isabelle Becker, Dramaturgin am Theater Bremen und Teil der Künstlerischen Projektleitung. Darauf wolle man nun auch außerhalb Griechenlands aufmerksam machen und deshalb wurden gezielt junge Künstlerinnen und Künstler aus Griechenland eingeladen, die sich vehement von konventionellen Theaterstrukturen abwenden und neue, hybride Theaterformen erschaffen.
Den Auftakt bestreitet das griechische Kollektiv Nova Melancholia mit einer Performance auf dem Goetheplatz. Die Gruppe reist bereits eine Woche zuvor an, um dann anhand ihrer Eindrücke von der Stadt Bremen eine Arbeit zu entwickeln, die sich zwischen Tanz, Bildnerischem und Theatralem bewegt. Im Anschluss geht es im noon / Foyer Kleines Haus mit der Festivaleröffnung weiter, bevor dann im Kleinen Haus das Eröffnungsstück zu erleben sein wird: die griechische Erstaufführung von Wolfram Lotz‘ „Die lächerliche Finsternis“, das 2015 von der Zeitschrift Theater heute zum Besten deutschsprachigen Stück des Jahres gewählt wurde. Im März 2017 erarbeitete ein junges Team um die Regisseurin Katerina Giannopoulou die griechische Erstaufführung an der Experimentalbühne des Nationaltheater Athen.
Außerdem im Programm steht „Lasciatemi morire“ in der Inszenierung von Vasso Kamaratou und Kostas Koutsolelos, das die Geschichte eines Paares in Zeiten der Krise behandelt. Am gleichen Abend zeigt Simos Kakalas eine Solo-Performance rund um Karagiozis, eine griechische Schattenspielfigur. Samstag wird dann „Clean City“, ein Dokumentartheaterstück von Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris, im Kleinen Haus gezeigt. In diesem setzen sich die beiden Regisseure mit viel Humor und Ironie mit dem Rechtsruck in Griechenland auseinander. 2016 uraufgeführt, reiste das Stück um fünf Reinigungskräfte bereits durch ganz Europa und macht nun Halt in Bremen.
Neben den szenischen Veranstaltungen wurde außerdem ein Rahmenprogramm erarbeitet, das die Bedingungen der griechischen Theaterschaffenden weiterführend beleuchtet: Es gibt einen Workshop der Jungen Akteure, in dem Jugendliche ab 15 Jahren tiefere Einblicke in die Produktionen erhalten, im Diskursraum stellen sich Beteiligte der Gastspiele dem Publikum, Ensemblemitglieder des Theater Bremen lesen aus dem Stück „Para Pera“ des jungen deutsch-griechischen Autoren Gerasimos Bekas und der New Greek Club zelebriert das Festival mit einer Nacht zwischen Disco, Pop und House aus der Athener Clubszene.

