Eben noch selbst wegen des unerlaubten Tanzens und eines zweifelhaften Rufs gesellschaftlich geächtet, hat das Mädchen plötzlich die Macht, Menschen mit einem Wort hinter Gitter zu bringen. Und sie ist fest entschlossen, diese auch zu nutzen. Als Proctors Frau als Hexe ausgerufen wird, muss dieser schwierige Entscheidungen fällen. Ist er bereit, eigene Verfehlungen öffentlich einzugestehen? Hilft es, die Wahrheit zu sagen, wenn Fakten gar keine Rolle mehr spielen? An welchem Punkt beugt man sich den Umständen? Und was ist das höhere Gut: für die eigenen Überzeugungen einzustehen oder das eigene Leben zu retten?
Hexenjagd (1953) gehört, zusammen mit Tod eines Handelsreisenden (1949), zu den meistgespielten Stücken Arthur Millers. Der Pulitzer-Preisträger macht sich darin die wahren Begebenheiten aus Salem, einer gottesfürchtigen amerikanischen Kleinstadt, aus dem Jahr 1692 zunutze, um das Klima der Angst zu beschreiben, das die Kommunistenjagd von Senator McCarthy Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA ausgelöst hatte. Ziel von Arthur Miller war es, ein Stück zu schreiben, das „den Menschen mit seinen Mitmenschen zeigt und inmitten seiner von ihm geschaffenen Welt.“ So beleuchtet Hexenjagd sowohl modellhaft als auch extrem berührend, welche Auswirkungen gesellschaftliche Entwicklungen auf das Schicksal des Einzelnen haben. Gelungen ist Miller ein hellsichtiges sozialkritisches Drama über eine tief gespaltene Gesellschaft, in der Misstrauen, Vorurteile und Furcht regieren.
Der moderne Klassiker bietet wunderbare Rollen für Schauspieler und wird von Schauspieldirektor Martin Nimz als großes Ensemblestück auf die Bühne gebracht. Er richtet seinen klaren Blick für menschliches Zweifeln, Hoffen und Handeln, sein Gespür für Zwischentöne und Unausgesprochenes auf ein heute wieder erschreckend aktuelles Stück.

