Bohuslav Martinů ist hierzulande ein eher selten gespielter Komponist. Dabei gehört er zu den schillerndsten Musikern des 20. Jahrhunderts. Im gemütlichen Polička als Sohn eines Türmers auf einem Kirchturm geboren und aufgewachsen, zog es ihn schon früh aus der böhmischen Heimat ins wilde Paris der 1920er Jahre. Dort tauchte er schnell in die avantgardistische Kunstszene ein und wurde zu einem ihrer wichtigsten Vertreter. Doch das Heimweh blieb zeitlebens Martinůs treuester Begleiter. Fern der Heimat wurde er sich lebhaft seiner tschechischen Herkunft bewusst und wandte sich einer nationalen, volkstümlichen Ausdrucksweise zu.
Ergebnis dieser Auseinandersetzung sind die aus vier Teilen bestehenden Marienspiele, denen mittelalterliche Mysterien und Mirakel zugrunde liegen. Martinů verfolgte mit ihnen keineswegs religiöse Ziele, sondern wollte das pralle Jahrmarktstheater wiederauferstehen lassen. Er sah diese knappen volkstümlichen Opern-Oratorien durchaus auch als Gegenentwurf zu den Musikdramen Richard Wagners.
Text von Henri Ghéon, Vilém Závada und Vítězslav Nezval / Deutsch von Kurt Honolka
Musikalische Leitung: Ektoras Tartanis
Inszenierung: Ulrich Mokrusch
Bühne & Kostüme: Okarina Peter / Timo Dentler
Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández
Dramaturgie: Juliane Piontek
Regieassistenz & Abendspielleitung: Edison Vigil
Studienleitung: Hartmut Brüsch
Musikalische Einstudierung: Jorrit van den Ham / Tonio Shiga
Inspizienz: Regina Wittmar
Prolog: Die klugen und törichten Jungfrauen

