Kohlhaas fordert bei den zuständigen Rechtsinstanzen Schadenersatz ein und erfährt keine Wiedergutmachung. Dann wird der Prozess verschleppt, die korrupten adligen Gegner werden protegiert, und in seinem Bemühen um Gerechtigkeit verliert Kohlhaas alles: Ehefrau und Familie, Wohlstand und Besitz. Als einer, den die Gesetze nicht schützen, beginnt Kohlhaas einen brutalen Rachefeldzug. „Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde“, lautet sein Leitspruch.
Es ist die Erzählung einer Welt, die unfassbar aus den Fugen ist und einen Menschen ohne Orientierung zurücklässt – hierin ist sie so modern. Es ist eine unheimliche Geschichte, die Kleist erzählt, weil uns ihre Hauptfigur so fern und nah zugleich ist. Denn mit so viel Abscheu wir auch den Gräueln des Kohlhaas begegnen, so wenig können wir die Faszination verhehlen, die uns erfasst, wenn hier einer, überwältigt von den Zumutungen der Welt, seinen Vertrag mit der Zivilisation aufkündigt und den Pakt mit der Barbarei schließt.
Kleist nennt seinen Michael Kohlhaas „den rechtschaffensten und zugleich entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“, und tatsächlich ist Kohlhaas einer der großen Seltsamen der deutschen Literatur.
Regie führt Matthias Hartmann. Hartmann war Intendant des Schauspiel Bochum und des Wiener Burgtheaters und inszeniert Schauspiel und Oper an allen großen Bühnen des deutschsprachigen Raumes. Seine Inszenierung von Dostojewskijs „Der Idiot“ steht seit dieser Saison im Spielplan des Düsseldorfer Schauspielhauses.
Das in diesem Jahr im Hatje Cantz Verlag erschienene Künstlerbuch Modelle & Interviews gewährt Einblicke in die Bühnenwelten und Schaffensprozesse des renommierten Bühnenbildners Johannes Schütz (u. a. „Der Idiot“, „Michael Kohlhaas“). Fotografierte Modellwelten sowie gesammelte Interviews spiegeln seine kreative Annäherung an die Theaterstücke und spannen zugleich einen Bogen über seine Inszenierungen der letzten Dekade.

