Mann, Frau, muss Orlando sich überhaupt entscheiden? Orlando erlebt, wie Menschen, Natur, Systeme und Regime sich in einem ständigen Wandlungsprozess befinden; Sitten, Gebräuche und Vorstellungen davon, was ein Mann, was eine Frau zu tun haben, was richtig und was falsch ist, worüber ein Künstler schreiben soll, worüber eine Frau nachdenken darf, sich ständig verändern. Orlando erlebt, wie sich das Wetter wandelt und das politische Klima, wie sich Begehren und Geschlechterrollen entwickeln. Orlando schaut auf Menschen, die für Natur halten, was in Wahrheit doch menschengemacht ist.
Virginia Woolf schrieb mit ihrer Biografie von Orlando eine Lebensbeschreibung, die alle starren Kategorien mit Leichtigkeit und künstlerischer Freiheit unterläuft, neu mit Bedeutung auflädt oder als fluide vorführt. Spielerisch verwebt sie Leben und Kunst, Realität und Fiktion miteinander zu einem visionären Werk. Sie schuf eine der schillerndsten Heldinnen der Literaturgeschichte, deren Überfülle an Identitäten jedwede enge Zuschreibung und starre Kategorisierung sprengt.
Katie Mitchell und Alice Birch untersuchen in einer Inszenierung, die Bühnengeschehen und Live-Video miteinander verbindet, Orlandos queere Reise durch die verschiedenen Jahrhunderte patriarchaler Menschheitsgeschichte.
In einer Bühnenfassung von Alice Birch. Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek.


