Ihren farblosen Ehemann Bassow hat sie nie begehrt. Die Liebe ihres weltschmerzphilosophischen Verehrers Rjumin weist sie brüsk zurück. In den Schriftsteller Schalimow projiziert sie ihre heimliche Sehnsucht nach großem Gefühl – und muss erkennen, dass dessen Künstlertum längst Fassade ist. Allein ihr Bruder Wlas sabotiert sein tristes Gerichtsschreiberdasein durch Zynismus und die Liebe zur viel älteren Ärztin Marja, deren beißende Gesellschaftsanalyse ihn fasziniert. Warwara beschließt, auszubrechen – und Rjumin, aus unglücklicher Liebe den Freitod zu wagen. Dennoch bleiben sie alle in ihrer Existenz gefangen: als sei die Datscha ein prunkvoller Käfig ohne Entkommen.
Gorki schrieb sein Stück 1904, am Vorabend der Kriege und Revolutionen, durch die das alte Europa zusammenbrach – in einer Welt, die unwiederbringlich verschwunden ist. Und doch erhalten seine Figuren heute eine paradoxe Lebendigkeit: wie Wiedergänger, die erneut unter uns spuken. Oder noch immer. Denn wie Warwara selbst erkennt, sind sie und ihr Kreis bereits zu Gorkis Zeit müde Gespenster in der eigenen Gegenwart: „Sommergäste im eigenen Land. Zugereiste. Stets auf der Suche nach einem bequemen Platz im Leben. Wir tun nichts und reden furchtbar viel“.
Regie Alvis Hermanis Bühne und Kostüme Kristīne Jurjāne Dramaturgie Florian Borchmeyer Licht Gleb Filshtinsky.

