Der Vorhang muss zubleiben in der Corona-Pandemie. Die Darstellerinnen und Darsteller des Theaters Heilbronn zogen sich auf verschiedenste Weisen ins „Heimspiel“ zurück, von wo sie online Lebenszeichen senden. Hannes Rittig wollte aus der Not eine Tugend machen und etwas tun, wofür sonst die Zeit fehlt. Innerhalb von zwei Wochen schrieb er das Stück für zehn Schauspieler, das unter der Corona-bedingten Isolation umgesetzt werden sollte.
„Eigentlich ist die Verwandlung unser Metier“, erzählt der Schauspieler: „Wir schlüpfen ständig in andere Charaktere.“ Jetzt ist den Schauspielern dieses Lebenselixier genommen. Was macht das mit einem, wenn man allein ist? Das war die Ausgangsidee für das Online-Stück „Ver wandler“, in dem uns ein Wesen begegnet, das eher unfreiwillig von einer Identität in die nächste schlüpft und sich irgendwann mit seinem Schöpfer, dem Autor, auseinandersetzt, weil es so nicht mehr weitergehen kann … „Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sie schreibt unglaubliche Geschichten. Doch was ist, wenn die Phantasie aus der Bahn gerät und die Geschichte sich wehrt?“, fasst Hannes Rittig zusammen.
Die Herausforderung bestand darin, die zehn unterschiedlichen Spielweisen zusammenzubringen und aus den einzelnen Szenen ein gemeinsames Ganzes zu kreieren. Jeder der zehn beteiligten Schauspieler spielte seine Szene zu Hause vor der Video- oder Handykamera ein. Die Verständigung zwischen künstlerischem Leiter und den Akteuren lief per Telefon und Mail. Nachdem alle Szenen einzeln besprochen und aufgenommen waren, übernahm Hannes Rittig auch die Postproduktion. "Übrigens", so sagt er augenzwinkernd: "Hier darf man auch zwischendurch trinken, krümeln, mit Bonbonpapier rascheln oder auf die Toilette gehen."

