Hans Zender sucht in seiner komponierten Interpretation nicht nach einer neuen expressiven Deutung des Liederzyklus, sondern nach der eigentlichen Intention, die auch im politischen und gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden muss. Er zeigt Brüche auf, vergrößert Kontraste und verschärft Akzentuierungen. Mittels Dissonanzen, Montagen, Abbrüchen, Wiederholungen und verfremdeten Klangeffekten durchbricht der Komponist die ästhetische Routine der Klassiker-Rezeption, sodass die Winterreise für uns heute wieder so ungewohnt klingt wie das Original für die Hörer zur Zeit ihrer Entstehung.
Fasziniert von der Synthese aus Tradition und Moderne, übersetzt Hans Henning Paar die Metaphern des Stückes in eine klare, auf das Wesentliche reduzierte Bewegungssprache. Durch die Integration des Sängers in das Tanzgeschehen entsteht ein unvergleichlich bildhaft-dramatisches Gesamtwerk.
Musik: Eine komponierte Interpretation für Tenor und Kammerorchester von Franz Schuberts Winterreise.
Musikalische Leitung: Thorsten Schmid-Kapfenburg. Inszenierung & Choreografie: Hans Henning Paar. Bühne: Bernhard Niechotz. Kostüme: Isabel Kork. Dramaturgie: Esther von der Fuhr.
Vernissage Behind the Curtain: »Seit Ende 2016 begleitet der Fotograf Michael Johann Dedeke für seine neue Ausstellung Behind the Curtain das Tanztheater Münster. Abseits der großen Bühne – von Bauproben über unzählige Stunden im Ballettsaal bis zu Generalproben – hat er sich dem Universum TanzTheaterMünster und seinen Protagonisten vorsichtig angenähert und die unterschiedlichen Facetten festgehalten. Über 30.000 Fotos sind so innerhalb der letzten drei Jahre entstanden, außerdem zahlreiche Interviews sowie der gleichnamige Film zur Fotoausstellung« (Martina Cwojdzinski in: Stylus 3/18).


