Sergej Rachmaninows sinfonische Dichtung »Die Toteninsel« — eine von Arnold Böcklins berühmtem Gemälde inspirierte zwanzigminütige Komposition — spürt der Endlichkeit des Lebens nach. Klangmalerisch erfasst Rachmaninow den Übergang vom Dasein ins nebulöse Danach, die Unsicherheit im Moment der letzten Rückschau und des Abschieds. Die Musik lässt Totenmesse und Trauermarsch anklingen und entwickelt, kontrastiert durch lichte lyrische Momente, eine hohe Intensität als Basis für den tänzerischen Ausdruck: Ein Mensch begegnet zuletzt noch einmal sich selbst und anderen, wagt den Blick zurück — begleitet vom Tod als Tänzer an seiner Seite.
Ihren Nachhall findet die »Die Toteninsel« in der filigranen Komposition ›The Unanswered Question‹ des experimentierfreudigen Amerikaners Charles Ives: Sein 1946 uraufgeführtes Werk stellt die immerwährende Frage nach dem Sein und jagt der unsichtbaren Antwort musikalisch — und nun auch tänzerisch — nach.
Auch in Gustav Mahlers »4. Sinfonie« meldet sich der Tod unüberhörbar »wie eine Fidel«, doch schließt das Werk bei aller (auch ironisch angedeuteten) Morbidität eine ernstgemeinte Jenseits-Hoffnung auf das »himmlische Leben« ein, »mit kindlich heiterem Ausdruck, durchaus ohne Parodie«, so der Komponist selbst. Hören wir in dieser Sinfonie als »Meisterwerk« somit »ein Als-Ob von der ersten bis zur letzten Note«, wie Theodor W. Adorno meinte? Eine faszinierende musikalische Aussage, um davon ausgehend eine tänzerische Auseinandersetzung mit Tod und Erlösung zu beginnen, ist sie fraglos.


