Das Projekt sucht kraft des Spiels Brücken zu bauen, wo sich Gräben in unserer Gesellschaft auftun, wo Angst und Unsicherheit unser Handeln anleiten und Posts im Netz die Diskurse verengen.
London wird 1517 erschüttert vom Aufstand junger Menschen, die sich wehren, dass ihre Arbeit fortan von anderen gemacht werden soll. Sie protestieren gegen die zugezogenen flämischen Uhrmacher und Arbeitskräfte aus Frankreich, die eine neue Zeit in die Stadt bringen. Flammen der Revolte lassen die Fenster der Zugezogenen zerspringen wie ein Vogelschwarm. Da leuchtet plötzlich im Splitterregen explodierender Scheiben der geheimnisvolle Schutzvogel Simorgh auf. Er entfaltet – in Gestalt Azars und ihrer Schwestern – seine weiten Schwingen. Irgendwo hinter der Wahrheit, hinter der Selbsterkenntnis soll er sein Nest gebaut haben.
Ein Splitter durchdringt das Herz eines jungen Londoner Handwerkers und lässt es entflammen. Er begibt sich auf eine lange, beschwerliche Reise über die sieben Berge und die sieben Meere hin zu ihr, zu Azar, getrieben von dem Wunsch sie zu lieben und den gewaltsamen Unruhen in seiner Heimat zu entkommen. Auch Azar und ihre Schwestern versuchen im Jahr 2022 aufzubrechen aus dem afghanischen Untergrund, in dem sie seit Monaten hoffend Schutz suchen vor den Taliban und der Zwangsverheiratung. Kraft ihrer Phantasie machen sie sich auf den Weg zu ihrem Sehnsuchtsort, unsicher, in welcher Zeit sie den Ort erreichen werden, der für sie Rettung verheißt.
Koproduktion mit der KULA Compagnie, dem Hålogaland Teater Tromsø und dem Simorgh Theater Herat.
Programm-Special im Rahmen der Produktion „Underground Birds“ – Filmvorführung: Das fünfte Rad, ein Film aus dem afghanischen Untergrund, 2022, 35 min. Mit anschließendem Gespräch mit dem Regisseur Robert Schuster. Realisation: Robert Schuster. Montage: Soliman Saien. Seit dem Abzug der alliierten Truppen eilen die Künstlerinnen des Simorgh Theaters in Herat von Versteck zu Versteck. Im Untergrund setzen sie sich mit Texten „Aus dem Lesebuch für Stadtbewohner“ von Bertolt Brecht auseinander und bringen ins Bild, was diese Perspektive möglich macht. Robert Schuster, mit der KULA Compagnie, versteht sich als Vermittler zwischen diesen Frauen und einem internationalen Publikum. Die Frauen des Simorgh Theaters in Herat wurden diesen Mai mit dem Preis der Autorenstiftung Frankfurt am Main ausgezeichnet.
Eine Produktion der KULA Compagnie für das Brecht Festival Augsburg in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen. Eingeladen zum segafilmfestival theatre and performance New York 2022. Eintritt: Freiwillige Spende. Der Reinerlös kommt den Frauen des Simorgh Theaters in Herat zu Gute. Beschränkte Teilnehmer:innenanzahl. Anmeldung unter reservierung@theater-bozen.it


