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Wir müssen‘s wohl leiden

Uraufführung/Premiere am 20. September 2019
Georg Büchner zeigt in seinem Drama „Dantons Tod“, wie die revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu Gewalt und Machtmissbrauch führen. Anhand der Kontrahenten Danton und Robespierre wird die moralische Fragestellung nach den Antriebskräften zur Gewalttätigkeit aufgeworfen.
© Thomas Aurin

Der eine zeigt Skrupel wegen der anhaltenden Metzelei, er ist müde geworden und tröstet sich mit einer hedonistischen Lebensweise. Der andere gibt vor, tugendhaft zu sein, entpuppt sich aber als Despot und benutzt den Schrecken als Waffe, er wird zum Blutmessias, der auch seine ehemaligen Mitstreiter unter die Guillotine bringen wird. Dantons Müdigkeit paart sich mit einer Todessehnsucht, führt zu hamletscher Zögerlichkeit und der Fehleinschätzung des Verhaltens Robespierres. Ein gewisser Ennui eignet ihm wie vielen Gestalten Büchners.

Büchner stellt mit Danton - „Was ist das, das in uns hurt, stiehlt und mordet?“- nicht nur die Frage nach den Antriebskräften zur Gewalttätigkeit, sondern letztendlich eine moralische Frage. Er möchte nicht nur wie in „Leonce und Lena“ auf den Kopf gucken können, sondern in den Gehirnkasten.

Armin Petras hat „Dantons Tod“ inszeniert. Viel Theaterblut wird vergossen und das ganze Ausmaß der brutalen Schreckensherrschaft gezeigt. Den Text hat Petras von fast allen religiösen Bezügen gelöst und die meisten Bibelzitate gestrichen. In einer Szene wird Robespierre als gekreuzigter Christus gezeigt. Auch die von Büchner eingefügten Lieder finden sich nicht wieder, der ab und zu verwendete hessische Dialekt jedoch sehr wohl. Auch Marions Lebensgeschichte, die sie im 1. Akt in der fünften Szene erzählt, blieb erhalten. Das ist auch fast die einzige Stelle, in der ein wenig Ruhe einkehrt, denn ansonsten werden die Texte lauthals geschrien. Fast möchte man mit Danton rufen: „Ruhig mein Junge, du hast dich heiser geschrien.“ Das Geschreie führt leider dazu, dass die Figuren wenig ausdifferenziert sind und so manches Mal keine adäquaten Reaktionen erfolgen, so etwa wenn Danton zu seiner Ehefrau Julie sagt: „Ich liebe dich wie das Grab“, eine ungeheuerliche Äußerung, die die Julie von Petras aber gelassen hinnimmt; oder ganz zum Schluss, wenn Lucile ihre Verhaftung provozieren will, indem sie „Es lebe der König“ ruft, eine konterrevolutionäre Äußerung, die zumindest noch bei Büchner ihren Zweck erfüllt, bei Petras aber folgenlos bleibt.

Robespierre und einige Revolutionäre wie St. Just sind mit Frauen besetzt, was besonders bei Robespierre, dargestellt von Lieke Hoppe, hervorragend funktioniert.

Überaus beeindruckend sind das Bühnenbild und die Lichtinszenierung. Es wird nah an der Rampe gespielt, denn fast die ganze Bühne nimmt eine Art Rutschbahn ein, von der die Protagonisten runterpurzeln oder die sie mühsam erklimmen müssen. Stark auch das Bild des gefangenen Danton, eindrucksvoll gegeben von Wolfgang Michalek, der an allen Extremitäten gebunden ist. Im zweiten Teil werden Filme projiziert, die zeigen, was die gegnerischen Parteien zur Rettung bzw. zum Verderben der Inhaftierten unternehmen, während auf der Bühne das Geschehen im Gefängnis dargestellt wird. Diese Lösung ist nicht ganz so überzeugend, weil es, vielleicht durch die Sepiatönung, fast wie eine Persiflage wirkt.

Armin Petras Inszenierung überzeugt mehr durch das Bild als durch das Wort. So hat er auch viel Wert auf eine Choreographie der Figuren gelegt, die großartig ist und zu eindrucksvollen Bildern führt und manches Mal, wenn ein sekundenlanges Stillhalten eintritt, wie ein Tableau vivant wirkt. Den Schauspieler und Schauspielerinnen gebührt für ihre Meisterleistung Hochachtung.

Und ganz zuletzt, wenn es zur Guillotine gehen soll, und wenn sich Dantons Vorhersage aus dem ersten Akt erfüllt: -„die Revolution ist wie Saturn, sie frißt ihre eigenen Kinder“-, da ruft die Todesangst ein kollektives Zittern hervor, denn „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod“.

Mitwirkende

Olaf Altmann(Bühnenbild)
Annette Riedel(Kostümbild)
Anna Katharina Bauer(Komponist/in)
Johannes Hofmann(Komponist/in)
Clemens Walter(Videodesign)
Norman Plathe(Lichtdesign)
Denis Kuhnert(Choreografie)
Felicitas Zürcher(Dramaturgie)
Miguel Abrantes Ostrowski(Schauspieler/in)
Cathleen Baumann(Schauspieler/in)
Tabea Bettin(Schauspieler/in)
Markus Danzeisen(Schauspieler/in)
Henning Flüsloh(Schauspieler/in)
Anna-Sophie Friedmann(Schauspieler/in)
Lieke Hoppe(Schauspieler/in)
Ron Iyamu(Schauspieler/in)
Johann Jürgens(Schauspieler/in)
Serkan Kaya(Schauspieler/in)
Kilian Land(Schauspieler/in)
Alexej Lochmann(Schauspieler/in)
Wolfgang Michalek(Schauspieler/in)
Thomas Wittmann(Schauspieler/in)
Caroline Adam Bay(Schauspieler/in)
Felicia Chin-Malenski(Schauspieler/in)
Chris Eckert(Schauspieler/in)
Madeline Gabel(Schauspieler/in)
Kai Götting(Schauspieler/in)
Eva Lucia Grieser(Schauspieler/in)
Felix Kruttke(Schauspieler/in)
Sophia Schiller(Schauspieler/in)
Tino Julian Zihlmann(Schauspieler/in)
Olaf Altmann(Bühnenbild)
Annette Riedel(Kostümbild)
Anna Bauer(Komponist/in)
Johannes Hofmann(Komponist/in)
Clemens Walter(Videodesign)
Norman Plathe(Lichtdesign)
Denis Kuhnert(Choreografie)
Felicitas Zürcher(Dramaturgie)
Miguel Abrantes Ostrowski(Schauspieler/in)
Cathleen Baumann(Schauspieler/in)
Markus Danzeisen(Schauspieler/in)
Henning Flüsloh(Schauspieler/in)
Anna-Sophie Friedmann(Schauspieler/in)
Lieke Hoppe(Schauspieler/in)
Ron Iyamu(Schauspieler/in)
Johann Jürgens(Schauspieler/in)
Serkan Kaya(Schauspieler/in)
Kilian Land(Schauspieler/in)
Alexej Lochmann(Schauspieler/in)
Wolfgang Michalek(Schauspieler/in)
Caroline Adam Bay(Schauspieler/in)
Felicia Chin-Malenski(Schauspieler/in)
Chris Eckert(Schauspieler/in)
Madeline Gabel(Schauspieler/in)
Kai Götting(Schauspieler/in)
Eva Lucia Grieser(Schauspieler/in)
Felix Kruttke(Schauspieler/in)
Sophia Schiller(Schauspieler/in)
Tino Julian Zihlmann(Schauspieler/in)
Wolfgang Michalek(Schauspieler/in)
Henning Flüsloh(Schauspieler/in)
Sven Gey(Schauspieler/in)
Serkan Kaya(Schauspieler/in)
Kai Götting(Schauspieler/in)
Caroline Adam Bay(Schauspieler/in)
Felicia Chin-Malenski(Schauspieler/in)
Lieke Hoppe(Schauspieler/in)
Chris Eckert(Schauspieler/in)
Cathleen Baumann(Schauspieler/in)
Sophia Schiller(Schauspieler/in)
Anna-Sophie Friedmann(Schauspieler/in)
Johann Jürgens(Schauspieler/in)
Madeline Gabel(Schauspieler/in)
Gunnar Teuber(Schauspieler/in)
Markus Danzeisen(Schauspieler/in)
Miguel Abrantes Ostrowski(Schauspieler/in)
Ron Iyamu(Schauspieler/in)
Eva Lucia Grieser(Schauspieler/in)
Tino Julian Zihlmann(Schauspieler/in)
Olaf Altmann(Bühnenbild)
Annette Riedel(Kostümbild)
Anna Bauer(Komponist/in)
Johannes Hofmann(Komponist/in)
Clemens Walter(Videodesign)
Norman Plathe-Narr(Lichtdesign)
Denis Kuhnert(Choreografie)
Felicitas Zürcher(Dramaturgie)

Spielzeiten

Freitag, 20. September 2019 (Premiere / Uraufführung)

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