Neues experimentelles Musiktheater. Im Zentrum des diesjährigen Festivals Infektion! steht die deutsche Erstaufführung von »Dionysos«, der jüngsten Oper von Wolfgang Rihm, die 2010 äußerst erfolgreich bei den Salzburger Festspielen ihre Uraufführung erlebte. Die Inszenierung von Pierre Audi ist unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher zu erleben. Noch vor dem Start des Festivals gibt es hierzu eine ganztägige „Werkstatt Rihm“ mit einem Vortrag, einer Filmvorführung und einer Lesung.
Außerdem wird der 100. Geburtstag von John Cage gefeiert. Unter dem Titel »Die Musik ist los« wird das Werk dieses Ausnahmekünstlers mit Konzerten, Performances, Lesungen und Aktionen in allen Facetten gezeigt. Dazu werden unter dem Motto „Die Musik ist los – 100 Jahre Cage“ eigens gestaltete Räume im Sinne eines Open House bespielt. Einige Aufführungen sind fest terminiert, andere finden spontan oder permanent statt.
Das Programm besteht aus verschiedenen Modulen. Aufgeführt werden die Cage-Opern „Europeras 3 & 4“ (1990), unter anderem mit sechs Sängern, zwei Klavieren, 12 Victrolas (Phonographen) und einer Tapemaschine; die Choreographie „Solo mit Sofa“, ein Klassiker von Reinhild Hoffmann zu Musik von John Cage in ihrer Neubearbeitung für ein Tänzerpaar; „Song Books (Solos for Voice 3-58)“ von John Cage aus dem Jahr 1970, eine Sammlung von kurzen Werken, bestehend aus einzelnen Liedern mit „Musik, Text und Aktion“ für Sänger, Schauspieler, Sportler, Artisten, Theoretiker sowie „Lectures about nothing / Lectures about something“, bei denen Klaus Schreiber Texte von John Cage lesen wird.
Außerdem werden Werke unter anderem von Erik Satie, Morton Feldman, Henry Cowell und Charles Ives aufgeführt. Ergänzt wird das Programm mit permanenten Cageschen Werken/Aktionen, die auch das feste Programm überlappen können.
Auf ganz andere Art „modern“ ist die zweite Opernproduktion: Igor Strawinskys „The Rake's Progress“ von 1951, dessen faszinierendes Vexierspiel zwischen neuem Alten und altem Neuen in der höchst subtilen Interpretation von Krzysztof Warlikowski zu sehen sein wird. Die musikalische Leitung liegt bei Johannes Debus.
Flankiert wird das Festival-Programm von einem Kammerkonzert, bei dem sich das West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim dem Werk Pierre Boulez’ widmet, und einem Liederabend von Ian Bostridge, dessen Hauptakzent auf Liedern von Kurt Weill und Benjamin Britten liegt.
„Infektion!“ wurde das Festival für Neues Musiktheater benannt. Dabei erobert das zeitgenössische Musiktheater die Staatsoper und eröffnet neue Perspektiven zum Verständnis Neuer Musik. Die essentielle Frage, wohin wir musikgeschichtlich fortschreiten, kann sicherlich noch nicht vollständig beantwortet werden. Mit Infektion! bietet sich jedoch die Gelegenheit, Unbekanntes zu entdecken und sich im wahrsten Sinne des Wortes davon anstecken zu lassen.


