Die Wiener Woche findet zum zehnten und letzten Mal statt. Sieben Kultureinrichtungen aus Stuttgart präsentieren erneut ein vielfältiges Wiener Programm und bieten eine Woche lang Einblick in die österreichische Seele.
Das Programm der Wiener Woche umfasst eine breite Palette an kulturellen Beiträgen:
Die Zehnte Wiener Woche wird mit einer Eröffnung und Begrüßung durch die Veranstalter und den Honorarkonsul der Republik Österreich, Herrn Dr. jur. Cornelius Grupp, samt Sektempfang eingeleitet.
Christa Schwertsik, Julia und Katharina Stemberger präsentieren „Abduhenendas missratene Töchter“. Eine Groteske in vier Bildern, getanzt, gesprochen und gesungen von Christa Schwertsik, Julia und Katharina Stemberger. Musikalische Einrichtung: Kurt Schwertsik.
Im imaginären Reich der Porzellantürme wirbt ein siamesischer Zwilling um die Töchter Abduhenendas, einem reichen, ostindischen Handelsherren. Die aber suchen und finden ihr Glück bei einem österreichischen Militärattaché und einem Wiener Kunstfreund. Daraufhin verliebt sich der siamesische Zwilling mit seinen beiden Hälften in das Wiener Kind Annerl. Und rundherum treiben sich Speichellecker, Eunuchen und ein österreichisches Oberpolizeiorgan im fernöstlichen Kakanien herum.
Die Sängerin Christa Schwertsik, ihre wohlgeratenen Töchter Julia und Katharina Stemberger und der Komponist Kurt Schwertsik lassen quasi im Familienunternehmen den Irrwitz Kapriolen schlagen – nach dem Motto: „Was ein echtes Wienerkind ist, nimmt´s auch mit einem siamesischen Zwilling auf.“
Gunkl präsentiert „Die großen Kränkungen der Menschheit – auch schon nicht leicht“. Ein philosophisch feinsinniger Kabarettabend, der unsere Gattung ob ihres Eigenmanipulationswahnsinns beschämt und belustigt. Hirn und Psyche werden genussvoll in ihre Einzelteile zerlegt, und hinterher darf sich jeder die Frage stellen: „Was wäre, wenn wir nicht länger so täten, als ob?“
Ein paar Sachen hätten uns schon gefallen. Zum Beispiel Zentrum des Universums zu sein, das wär doch was gewesen! Oder immer genau zu wissen, was wir so tun, Herr unserer selbst zu sein, das hätte uns auch gefallen. Oder von einer allwissenden Art Supermann extra gemacht worden zu sein, das hätte uns auch gefallen! Dass wir nach dem Sterben nicht tot sind. Hätte uns gefallen.
Valerie Kattenfeld, Falter
Die Animation Lounge zeigt „Neuer Österreichischer Trickfilm“.
„Neuer österreichischer Trickfilm“ heißt die Wiener Gruppe, die drei österreichischen Regisseure nach ihrem Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg gegründet haben. Mit ihrer Arbeit bereichern sie die Filmlandschaft ihres Heimatlandes um den narrativen Animationsfilm. Ihre Abschlussfilme „Der Besuch“, „366 Tage“ und „Heldenkanzler“ wurden im In- und Ausland mehrfach ausgezeichnet. Bei ihrer Präsentation zeigen sie nicht nur Ausschnitte aus aktuellen Projekten, sondern enthüllen auch erste Bilder kommender Filmproduktionen. Die Animation Lounge findet im Rahmen des monatlichen Jour Fixe der MFG Filmförderung statt und wird gemeinsam mit der Film- und Medienfestival gGmbH veranstaltet.
Eintritt frei!
Bernd Jeschek präsentiert „Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter“, ein parodistisches Spiel in einem Akt von Fritz von Herzmanovsky-Orlando.
Eine Eisenbahnstation in den österreichischen Hochalpen im 18. Jahrhundert. Der Stationsvorstand ist beim Wildern nach Gämsen, während seine Tochter den Dienst auf der Station versieht. Und schon treten eine Unzahl von Reisenden auf: Adelige, Landvolk, Touristen und Terroristen, Witwen und Waisen. Bis der allerhöchste Monarch in seiner großen Weisheit dafür sorgt, dass alles friedlich endet.
In einer szenischen Lesung erweckt Bernd Jeschek allein die über 50 Figuren dieser Parodie eines Heimatstücks zum Leben.
Heini Altbart präsentiert „Mit Swing und Schubidu zur letzten Ruh“. Ein swingender Abend mit dem sicherlich fröhlichsten Bestatter/Schlagzeuger Europas.
Heini Altbart gilt heute als einer der gefragtesten Schlagzeuger – nicht nur im eigenen Land, wo er die unangefochtene Nummer eins ist. Aber er hat auch noch eine ganz andere „Leidenschaft“: Im normalen Leben ist er Bestatter. Im Rahmen der Wiener Woche präsentiert er einen beswingten Abend, garniert mit Geschichten über das Sterben in Wien und den Zentralfriedhof. Frei nach dem Motto: „Bei ihm liegen sie richtig“ – oder auch: „Er ist der letzte, der sie reinlegt.“
Uwe Schenk präsentiert „Uwe Schenk trifft...“.
„Uwe Schenk trifft...“ ist eine TV-Show ohne Sendetermin, in der zu jeder Sendung ein Komponist/Musiker eingeladen und vorgestellt wird. Die Mitwirkenden inklusive Publikum sind Teil des Settings: Es gibt vorproduzierte Trailer, Werbepausen und Interviews. Die Bilder von mehreren Kameras werden auf eine Leinwand hinter den Musikern projiziert und sind Teil des Bühnenbilds. Die Zuschauer erleben ein Programm, das so leider weder im öffentlich-rechtlichen, noch im privaten deutschen Fernsehen stattfindet.
Der Film „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ wird gezeigt.
Kultstar, Idol und Legende. Seine Musik einzigartig, sein Stil unverwechselbar. Mit „Rock me Amadeus“ gelang ihm als erstem und bislang einzigem deutschsprachigen Künstler ein Nr.1-Hit in den US-Billboard-Charts. Doch der sensible Musiker zerbrach an seinem Wunsch nach familiärer Geborgenheit, der mit dem Erfolgsdruck in der Musikbranche nicht zu vereinen war. Die Folgen: Alkohol- und Drogenexzesse, der Absturz ... Der Film schildert die Karriere von Österreichs schillerndstem Popstar und zeigt ein intimes, unbekanntes Bild des Musikers und Lebemanns Johann „Hans“ Hölzel, dessen früher Tod ihn zur Legende gemacht hat.
Werner Brix präsentiert „40plus – Über Männer in den besten Jahren“. Ein Kabarettabend.
Was unterscheidet uns Uhus von den Bivies? Also uns Männer „unter hundert“ von den jungen Rotzlöffeln „bis vierzig“? Alles! Wir sind reif geworden! Da macht es „klick!“ und alles ist anders! Die männliche Seele ist im Aufruhr. Man verspürt Rührung über die Schönheit einer Schneeflocke und entdeckt den Mikrokosmos eines Kuhfladens als buntes Reich glücklicher Kleinstorganismen. Irgendwann sagt die rationale Gehirnhälfte: „Heast, Oida! Geht’s eh no? Ich glaub, du verlierst dich grad ein bisserl. Hm? Kummst wieder obe?“ Dann kommt die Steigerung: Der Uhu sucht sich!!!
Themen wie diese werden besprochen werden. Unter uns, natürlich. Frauen sind willkommen – unter der Voraussetzung, dass sie den Eid ablegen, dass nichts von den vorgetragenen letzten Geheimnissen nach außen dringt. Wir Männer reden nämlich nicht so gerne – oder doch?
Sterzinger | Lässer | Mikula präsentieren „Wiener Lied Rock´n´Roll & Donaudelta Blues“.
„War Falco eine Reblaus? Poetisch-bizarre Interventionen am Tatort Wienerlied. Sie hören hinterlistige Collagen, verstörende Neuinterpretationen und skurril vertonte Kurzgeschichten. Material von H.C. Artmann bis Hans Hölzl. Auch ein Schlagerlied könnte dabei sein. Und Wiener Lieder Rock’n’Roll, fallweise mit englischem Akzent.“
Stefan Sterzinger war einst Teil des legendären Trios Franz Franz & The Melody Boys. Während seine Franz-Franz-Kollegen als Kollegium Kalksburg inzwischen große Erfolge mit Wienerliedexzessen feiern, begibt Sterzinger sich auf die Suche nach den Bluesroots im Donaudelta und entdeckt die Verbindungen zwischen Rock’n’Roll und neuem Wienerlied. In der spannenden Besetzung mit zwei Akkordeons und Schlagzeug.
Franzobel & Maxi Blaha präsentieren „PS: Du mich auch!“.
Die Liebe ist ein kranker, geschlagener Hund. Das Wort Liebe, über dem schon jeder gelegen ist, müsste man unter Quarantäne stellen – so sehr ist es vernutzt, besetzt, verbraucht. Und trotzdem ist die Liebe das alles antreibende Prinzip, bringt die Verliebten um den Verstand, treibt sie in den Wahnsinn. Nichts ist schöner als die glückliche, nichts tragischer als die unerfüllte Liebe.
Maxi Blaha und Franzobel wandeln leidenschaftlich durch die Höhen und Tiefen der Beziehung. Sie treiben es sinnlich, geben so noch nie gehörte Liebeslieder zum Besten, führen den Superkleber ins Kamasutra ein und feiern eine anarchistische Wortorgie, immer schwankend zwischen tiefem Ernst und leichter Komik. Ein lustversprechender Genuss.
Der Film „Aufschneider“ wird gezeigt.
„Aufschneider“, nach einer Idee von Josef Hader, von ihm und David Schalko gemeinsam verfasst, erzählt in zwei Teilen vom Leben und der Arbeit von Dr. Fuhrmann, dem Pathologiechef an einem städtischen Krankenhaus. Wir erleben klassische Krankenhausstories, allerdings aus einer ungewöhnlichen Perspektive: von schräg unten, aus der Pathologie, deren Geruch man auch nach Feierabend nicht los wird.
Zwischen den beiden Teilen gibt es Gulaschsuppe und Grammelschmalzbrote nach Vorbestellung.
Ambros pur! Die 3. Auflage. Eine „unplugged“ musikalische Zeitreise mit der österreichischen Liedermacherlegende Wolfgang Ambros.
Die musikalischen Verdienste von Wolfgang Ambros sind Legion. Kaum jemand hat über ur-wienerische und österreichische Befindlichkeiten solche Worte gesungen wie er. Kaum jemand hat die Kombination von Existentiellem (die Liebe, der Tod und der ganze Rest) und Leichtigkeit, vollmundigem „Schmäh“ so hingebracht wie er. Niemand hat sich der Arbeit großer Künstler wie Bob Dylan, Hans Moser, Tom Waits, Neil Young so angenommen wie er.
Es ist eine Schatztruhe, die sich knarrend öffnet und nach und nach ihre Perlen preisgibt, wenn man Wolfgang Ambros, „nur“ mit seiner Stimme und einer Gitarre, auf die Bühne setzt. Wann hat man schon Gelegenheit so nahe dran zu sein an einem Riesen der Popmusik und seinen Liedern.

