Mit der Aufführung des Werkes mit dem originalen Titel »Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I., König von England« wollen die 24. Magdeburger Telemann-Festtage und das Theater Magdeburg erneut die in der Geschichte der Oper herausragenden Beiträge der beiden Komponisten würdigen. Georg Philipp Telemann, der seit 1722 die »Aufsicht über die Musik« an der aufstrebenden Hamburger Gänsemarktoper innehatte, brachte dort sowohl eigene als auch fremde Werke auf den Spielplan; es war Usus, die Vorlagen für das eigene Publikum abzuändern, also zum Beispiel die Rezitative ins Deutsche zu übertragen oder umzudichten und neu zu vertonen.
Das »Melodramma in tre atti Riccardo primo, Re d’Inghilterra« HWV 23 (London 1727) seines Freundes Georg Friedrich Händel regte Telemann zu besonders weitreichenden Umarbeitungen an und wurde 1729 in Hamburg aufgeführt, eben als »Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I., König von England«. Christoph Gottlieb Wend schuf ein auf das damalige Publikum der Hamburger Gänsemarktoper zugeschnittenes Libretto. Dazu gehört auch die komische Nebenhandlung, in der ein alter Philosoph namens Gelasius und die Amme Murmilla das Geschehen drastisch kommentieren. Mehrere Arien Händels wurden den Stimmlagen der Hamburger Sänger angepasst, einige ernsten Arien von Telemann neu geschrieben. Aus der Konfrontation der italienischen Arien mit den von Telemann komponierten deutschen Rezitativen entsteht ein besonderer ästhetischer Reiz.
Historischer Hintergrund der Opernhandlung sind die Hochzeit des englischen Königs Richard I. »Löwenherz« und die kriegerischen Auseinandersetzungen um die Insel Zypern zur Zeit des dritten Kreuzzugs. Richard – auf dem Weg ins Heilige Land – will sich auf Zypern mit der ihm bisher unbekannten Berengera von Navarra verheiraten. Doch verliebt sich der tyrannische zyprische Herrscher Isacius in sie und stellt Richard stattdessen seine Tochter Formosa als Berengera vor. Formosa ihrerseits will ihrem Verlobten Orontes treu bleiben. Nach einigen Verwicklungen wird Isacius überführt und die beiden Paare werden vereint.
Regisseur Michael McCarthy, der bereits höchst erfolgreich die Auftragsproduktion des Theaters Magdeburg »Der Prozess« von Philip Glass inszenierte, wird seine Regie ganz auf die Emotionen in der Musik ausrichten: Die Personenkonstellationen stehen im Fokus, das Bühnenbild von Ausstatter Simon Banham wird sich jeweils mit der musikalischen Stimmung bzw. Situation verändern. Eine internationale Solistenriege steht auf der Bühne, bestehend u.a. aus Mitgliedern des Pariser Opernstudios »Opera Fuoco«, Mitgliedern des Ensembles des Theaters Magdeburg und Gästen. Dazu werden die Musiker der Magdeburgischen Philharmonie verstärkt durch Barockspezialisten von »Opera Fuoco«. Das französische Ensemble war mit seinem Musikalischen Leiter David Stern bereits 2010 und 2016 bei Telemanns Opern »Orpheus« und »Damon« am Theater Magdeburg zu Gast.
Richard Löwenherz
Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I., König von England | Singspiel in drei Akten von Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann
Libretto von Christoph Gottlieb Wend nach Paolo Antonio Rolli
Arien in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
In Kooperation mit den 24. Magdeburger Telemann-Festtagen
Musikalische Leitung David Stern
Regie Michael McCarthy
Bühne / Kostüme Simon Banham
Licht Ace McCarron
Dramaturgie Ulrike Schröder

