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Verfall und Verbrechen

in Düsseldorfer Schauspielhaus
Uraufführung/Premiere am 07. Januar 2011
In den Wirren des revolutionären St. Petersburgs von 1920 herrschen Unsicherheit, Hilflosigkeit und Hunger, während Schieber und Schwarzmarkthändler die Macht übernehmen. Isaak Babels Stück zeichnet den Untergang einer Familie nach, die in ihrer abwesenden Tochter Marija eine Heilsbringerin sieht. Es ist ein exemplarisches Sittenbild einer Zeit, in der die Utopie an der brutalen Realität eines Bürgerkrieges scheitert.
© Bernd Uhlig

St. Petersburg im Jahre 1920. In den Wirren der Revolutionstage herrscht Unsicherheit, Hilflosigkeit und Hunger. Während einige den alten Zeiten nachhängen, andere Haltung zu bewahren, sich zu arrangieren oder in religiösem Erweckungserlebnissen eine Gegenwelt aufzubauen suchen, übernehmen Schieber und Schwarzmarkthändler die Macht; sie sind die großen Profiteure der Umbruchsituation. Gewalt und Brutalität greifen mehr und mehr um sich. Für die Generalsfamilie Mukownin wird die abwesende älteste Tochter Marija, Rotarmistin und Kämpferin an der russisch-polnischen Front, zur Heilsbringerin glorifiziert, auf sie wird alles Gute projiziert, sie ist das Gegenbild zu allen Widrigkeiten des Alltags. So wie man in Tchechovs "Drei Schwestern" nicht nach Moskau geht, so erscheint auch Marija in Isaak Babels gleichnamigen Stück nicht. Der Untergang einer Familie als exemplarisches Sittenbild der Zeit.

Babels Revolutionstragödie zeigt die ganze Brutalität eines Bürgerkrieges, Zynismus und Gewalttätigkeit, menschliche Gemeinheit und Niedertracht. Die Utopie scheitert an der Realität. In ihrer Inszenierung schont Andrea Breth das Publikum nicht. Naturalistisch und detailgenau wiedergegeben sowie historisch verortet, hält sich Breth an den Text des ernüchternden und schockierenden Stückes. Mit Präzision werden die einzelnen Szenen, die locker miteinander verbunden sind und so einen prägnanten Einblick in das Zeitgeschehen geben, umgesetzt. Das Bühnenbild von Raimund Vogt unterstützt diese Konzeption. Das Geschehen spielt sich im Guckkasten sehr nah an der Rampe ab und macht so die Konfrontation des Zuschauers besonders eindringlich. Dazu trägt auch die mal intime, düstere oder grelle Beleuchtung bei.

Insgesamt 22 Schauspieler kommen zum Einsatz, die alle bis in kleine Geste hinein überzeugen und gelungene Charakterstudien darbieten. Eine brillante Ensembleleistung, die begeisterten Applaus hervorrief und noch lange haften bleibt.

Fassung von Andrea Breth, nach einer Übersetzung aus dem Russischen von Stefan Schmidtke, Mitarbeit Arina Nestieva

Mitwirkende

Raimund Vogt(Bühnenbild)
Stefan Schmidtke(Dramaturgie)
Arina Nestieva(Dramaturgie)
Peter Jecklin(Schauspieler/in)
Marie Burchard(Schauspieler/in)
Imogen Kogge(Schauspieler/in)
Klaus Schreiber(Schauspieler/in)
Christoph Luser(Schauspieler/in)
Bärbel Bolle(Schauspieler/in)
Pierre Siegenthaler(Schauspieler/in)
Peter Jecklin(Schauspieler/in)
Marie Burchard(Schauspieler/in)
Imogen Kogge(Schauspieler/in)
Klaus Schreiber(Schauspieler/in)
Christoph Luser(Schauspieler/in)
Bärbel Bolle(Schauspieler/in)
Pierre Siegenthaler(Schauspieler/in)
Benno Ifland(Schauspieler/in)
Moritz Löwe(Schauspieler/in)
Gerd Böckmann(Schauspieler/in)
Michael A. Grimm(Schauspieler/in)
Marianne Hoika(Schauspieler/in)
Sven Walser(Schauspieler/in)
Patrizia Wapinska(Schauspieler/in)
Elisabeth Orth(Schauspieler/in)
Winfried Küppers(Schauspieler/in)
Oliver Reinhard(Schauspieler/in)
Dirk Ossig(Schauspieler/in)
Jonas Anders(Schauspieler/in)
Mareike Hein(Schauspieler/in)
Janina Sachau(Schauspieler/in)
Taner Sahintürk(Schauspieler/in)
Raimund Voigt(Bühnenbild)
Moidele Bickel(Kostümbild)
Wolfgang Mitterer(Komponist/in)
Stefan Schmidtke(Dramaturgie)

Spielzeiten

Freitag, 07. Januar 2011 (Premiere / Uraufführung)

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