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Ein Leben in Angst

in Wiener Staatsoper
Uraufführung/Premiere am 08. Juni 2023
Das Gefühl der Angst bestimmt Blanches Leben von Geburt an. Aus Angst vor der Angst tritt Blanche schließlich in das Kloster der Karmeliterinnen ein, doch auch dort kommt sie nicht von ihren Ängsten los. Inmitten der französischen Revolution findet sie schließlich im Tod die Überwindung ihrer größten Furcht.

Das Gefühl der Angst bestimmt Blanches Leben von Geburt an. Ihre Mutter musste anlässlich eines Festes vor der in Panik geratenen Menge fliehen, bei der zu frühen Niederkunft stirbt sie. Während der Vater Blanches Ängste gar nicht wahrnimmt, neigt ihr Bruder dazu, sie zu sehr zu beschützen, was erst recht zu einer Manifestation dieser existentiellen Ängste führt. Aus Angst vor der Angst tritt Blanche schließlich in das Kloster der Karmeliterinnen ein. Aber auch dort kommt sie nicht von ihren Ängsten los. Die lebensfreudige Novizin Constance, der Gegenpol zu der ernsten Blanche, berichtet von ihrer Vision, dass sie zusammen sterben würden: Die Priorin stirbt und die Totenwache erzeugt erneut Ängste bei Blanche. Das Kloster wird in Folge der französischen Revolution aufgelöst und die Nonnen müssen den Konvent verlassen. Blanche kehrt in das geplünderte Haus ihres Vaters zurück, der hingerichtet wurde. Die Nonnen werden inhaftiert und sollen unter der Guillotine sterben. Singend gehen sie in den Tod. Blanche schließt sich ihnen als letzte an und überwindet endlich im Tod ihre Angst.

Angst, Tod, Leiden, Vergänglichkeit sind die bestimmenden Motive der 1957 uraufgeführten Oper "Dialogues des Carmélites" von Francis Poulenc, dennoch eignet der Musik nicht ein schwermütiger Ton. Es ist die Kraft des Glaubens ohne irgendeinen Pathos, die hier zum Ausdruck kommt und mit großer Empathie und fast meditativer Klarheit von den Düsseldorfer Symphonikern unter der Leitung von Ralf Lange interpretiert wird. Die Inszenierung des flämischen Regisseurs Guy Joosten besticht durch ihre Reduktion, die das zurückgezogene Leben der Nonnen widerspiegelt.

In der von Johannes Leiacker gestalteten Bühne ist das Schwarz-Weiß der Nonnentracht bestimmender Ton. Die Ausstattung ist bewusst schlicht und karg gehalten, ein hohes Bücherregal deutet den Salon des Marquis an, ein paar Bänke das Kloster, ein großes schwebendes Kreuz die Klosterkirche, ein weißer quadratischer Bodenbelag das Gefängnis. Menschenmassen laufen in den orchestralen Parts der Oper als Video-Scherenschnitte über eine weiße Leinwand. Eindrucksvoll die abschließende Todesszene: jeweils eine schwarze Stoffbahn fällt beim Tod einer Nonne aus dem Schnürboden. Die Nonnen gehen erhobenen Hauptes von der Bühne ab. Ein starkes Symbol für die Unbeugsamkeit der Nonnen und den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode!

Neben Anett Fritsch als reine, von Angst erfüllte Blanche brillierte als ihr Gegenpart Alma Sadé in der Rolle der quirligen Schwester Constance. Auch Susan Maclean als Piorin war mehr als überzeugend.

Euphorischer Beifall für eine großartige, überzeugende Inszenierung und eine hervorragende Ensembleleistung.

Francis Poulencs Oper "Dialogues des Carmélites" ist eine Opéra in drei Akten und zwölf Bildern. Das Libretto stammt vom Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Georges Bernanos und wird in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln aufgeführt.

Mitwirkende

Francis Poulenc(Komponist/in)
Ralf Lange(Musikalische Leitung)
Johannes Leiacker(Bühnenbild)
Johannes Leiacker(Kostümbild)
Manfred Voss(Lichtdesign)
Christoph Kurig(Musikalische Leitung)
Luc Joosten(Dramaturgie)
Bernhard F. Loges(Dramaturgie)
John Wegner(Schauspieler/in)
Anett Fritsch(Schauspieler/in)
Corby Welch(Schauspieler/in)
Susan Maclean(Schauspieler/in)
Helen Lyons(Schauspieler/in)
Jeanne Piland(Schauspieler/in)
Alma Sadé(Schauspieler/in)
Katarzyna Kuncio(Schauspieler/in)
Maria Kataeva(Schauspieler/in)
Bruce Rankin(Schauspieler/in)
Florian Simson(Schauspieler/in)
Lukasz Konieczny(Schauspieler/in)
Daniel Djambazian(Schauspieler/in)
Dmitry Lavrov(Schauspieler/in)
Manfred Klee(Schauspieler/in)
Jutta Hochörtler(Schauspieler/in)
Annija Adamsone(Schauspieler/in)
Pavlina Chamantne(Schauspieler/in)
Lana Maletic(Schauspieler/in)
Melis Vlahovic(Schauspieler/in)
Julia Hinger(Schauspieler/in)
Thalia Hellfritsch(Schauspieler/in)
Leandra Nitzsche(Schauspieler/in)
Frazan Adil Kotwal(Schauspieler/in)
Piotr Gryniewicki(Schauspieler/in)
Robin Neck(Schauspieler/in)
Hannes Nedele(Schauspieler/in)
Yuli Zhang(Schauspieler/in)
Jonathan Macker(Schauspieler/in)
Maryam Jalalikandy(Schauspieler/in)
Saskia Maas(Schauspieler/in)
Vladyslava Poian(Schauspieler/in)
Lara Rieken(Schauspieler/in)
Ashkhen Varzhapetyan(Schauspieler/in)
Bertrand de Billy(Musikalische Leitung)
Monika Biegler(Bühnenbild)
Valentin Köhler(Kostümbild)
Aron Kitzig(Videodesign)
Rudolf Fischer(Lichtdesign)
Nicole Car(Schauspieler/in)
Bernard Richter(Schauspieler/in)
Michaela Schuster(Schauspieler/in)
Maria Motolygina(Schauspieler/in)
Eve-Maud Hubeaux(Schauspieler/in)
Michael Kraus(Schauspieler/in)
Maria Nazarova(Schauspieler/in)
Monika Bohinec(Schauspieler/in)
Alma Neuhaus(Schauspieler/in)
Thomas Ebenstein(Schauspieler/in)
Andrea Giovannini(Schauspieler/in)
Jusung Gabriel Park(Schauspieler/in)
Jack Lee(Schauspieler/in)
Clemens Unterreiner(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Donnerstag, 08. Juni 2023 (Premiere / Uraufführung)

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