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Fast wie im richtigen Leben

in Düsseldorfer Schauspielhaus
Uraufführung/Premiere am 13. September 2013
In dieser launigen Sozialkomödie von Louis-Benoît Picard, inszeniert von Nurkan Erpulat, übernimmt der unerfahrene Minister Narbonne sein Amt und will alles anders machen. Er überlässt die eigentliche Arbeit jedoch dem karrieregeilen Selicour, dessen Intrigen bald die Bühne beherrschen. Die Inszenierung transferiert das Stück aus dem Jahre 1797 in die heutige Zeit und zeigt auf humorvolle Weise, wie sich Machtspiele entfalten und Gerechtigkeit im Theater leichter siegt als im realen Leben.

Verstaubte ficus benjamini stehen im Vorzimmer des smarten Minister Narbonne, der gerade sein Amt angetreten hat, ganz unerfahren ist und natürlich alles anders als sein Vorgänger machen will; es soll aufgeräumt, alte Seilschaften sollen gekappt werden. Da er aber anscheinend lieber seinen diversen sportlichen Vergnügungen nachgehen möchte – Moritz Führmann überrascht dabei in ständig wechselndem schicken Sport-Outfit, mal in Tennis- und Golf-, dann wieder im Reitdress – benötigt er jemanden, der seine Arbeit für ihn durchführt.

Da kommt ihm der eifrige, karrieregeile Selicour gerade recht, der sich aus der tiefsten Provinz seinen Weg in die Hauptstadt gebahnt hat. Mit genau dem richtigen Wort zur rechten Zeit, wobei er geschickt nach dem Munde redet oder gar allem eine andere Bewandtnis gibt, weiß er sich bei allen, und nicht nur der toughen Frau Mama des Ministers, einzuschmeicheln und sich alle zunutze zu machen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, die Arbeit anderer als seine zu verkaufen oder gar einen Konkurrenten, der zudem einmal sein Freund war, aus dem Amt zu drängen. Dass Selicours Intrigen alsbald aufgeklärt werden und die Gerechtigkeit siegt, verdankt sich laut Epilog allein dem Umstand, dass es sich hier um ein Bühnengeschehen handelt. Auf ein Happy Ending lässt sich in der Realität leider mitunter endlos warten.

Nurkan Erpulat hat diese vom jungen Friedrich Schiller bearbeitete Sozialkomödie Louis-Benoît Picards aus dem Jahre 1797 in die heutige Zeit transferiert. Überaus launig inszeniert. Wiedererkennungseffekte, von denen Komödien ja leben, sind dabei durchaus erwünscht, und typische Charakterisierungen ebenfalls. Florian Jahr als aalglatter Selicour ist der Schleimer und weiß daher nur zu gut, um die Bedeutung des „Vorraumes zur Macht“. Dirk Ossig als integerer, angepasster und etwas biederer Firmin kämpft lieber mit dem Kopiergerät als darum, sich ins rechte Bild zu setzen. Stefanie Rösner als Selicours schrille, prollige und naive Cousine kommt für Selicour ganz ungelegen zu Besuch. Von jugendlicher Naivität ist auch das Liebespaar, Patrizia Wapinska als Narbonnes Tochter Charlotte und Marian Kindermann als Formins Gitarre spielender Sohn. Christian Ehrich als abservierter La Roche ist der typische Looser, weil es ihm u.a. an Selbsterkenntnis mangelt. Und Verena Reichhardt als Narbonnes Mutter entspricht dem Typ der reichen Mama, die ihre Brut nach besten Kräften fördert, weil ihr selbst am meisten an gehobenem sozialen Status mit den entsprechenden Konsumattributen liegt. Eine überaus gelungene Besetzung mit großer Spielfreude! Heiter, beschwingt und trotzdem auf hohem Niveau, kein Wunder also, dass diese Inszenierung beim Publikum einhelligen Beifall fand

Mitwirkende

Moritz Führmann(Schauspieler/in)
Verena Reichhardt(Schauspieler/in)
Patrizia Wapinska(Schauspieler/in)
Florian Jahr(Schauspieler/in)
Christian Ehrich(Schauspieler/in)
Dirk Ossig(Schauspieler/in)
Marian Kindermann(Schauspieler/in)
Gregor Löbel(Schauspieler/in)
Stefanie Rösner(Schauspieler/in)
Kathrin Frosch(Bühnenbild)
Michael Graessner(Kostümbild)
Ludwig Haugk(Dramaturgie)

Spielzeiten

Freitag, 13. September 2013 (Premiere / Uraufführung)

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