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Der fliegende Holländer

in Stadttheater Bern
Uraufführung/Premiere am 18. September 2011
Wagners Musikdramen eröffnen eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten, die oft in kraftvollen Inszenierungen münden. Die Geschichte von Senta und dem Holländer entfaltet sich in einem Spannungsfeld zwischen mythischer Sehnsucht und psychologischer Verstrickung.

Ähnlich wie die Shakespeare’schen Dramen halten die Wagner’schen viel aus, ohne dass die Substanz sich verflüchtigt. Der Holländer hat eine Aufführungstradition in der jüngeren Vergangenheit hinter sich, die sich subsumieren lässt unter dem Motto „Sentas Traum“. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass der Druck auf die Regie, die Geschehnisse um die sehnsuchtsvoll auf ihren Erlöser wartende Senta und den Holländer, für den sie wiederum als Erlöserin zum Tode fungiert, in irgendeiner plausibel-realistischen Interpretation dieser Verstiegenheiten darstellen zu müssen. Aber schon Brecht hat gesagt, dass Realismus die Darstellung von Wahrscheinlichkeiten sei – also sprach Sentas Traum immer nur davon, wie es sein könnte. Prekärer wird es, die Geschichte als reale zu behaupten. Und da werden die Kanten schärfer in der erzählerischen Konzentration auf zwei Menschen, die in einer gleichermaßen mythischen wie psychologischen Verstrickung agieren.

Den Traum bevölkern Personen, die der Autor (der Träumer) inszeniert, hier haben wir es zu tun mit zwei Menschen, von denen der eine – der Holländer - ein externes Leben führt (symbolisiert in der Oper durch die Selbstverfluchung eines Menschen, der gegen Gott und Natur sich versteigt), der andere – Senta - auf dem besten Weg ist, sich in einen geistigen Raum zu flüchten, den sie ihren Leuten nicht mehr vermitteln kann und will. Beglaubigt wird diese Sicht im Werk, wenn Erik Senta seinen visionären Alptraum erzählt, der die Vereinigung von Senta und Holländer sieht. Am Ende muss Erik erkennen: „Der Traum ist wahr“.

Wenn die Geschichte so gesehen wird, fallen dem aufmerksamen Beobachter durchaus Menschen (Paare) ein, die eine ähnlich „exaltierte“ Wahl füreinander getroffen haben. Heinrich von Kleist und seine Freundin Henriette Vogel waren zwei Menschen, die in denkbar heiterster Entspanntheit den Tod als Erlösung vom Leben begriffen - Kleist war „auf Erden nicht zu helfen“, Henriette Vogel war unheilbar krebskrank. Das bei Wagner doch ein wenig ausgedachte und zurechtgezimmerte Mythische (das bei Heine noch so herrlich romantischironisch daherkam) lässt sich durchsichtig machen und öffnet den Blick auf zwei Menschen, die eine Grenze überschritten haben. Eine ähnliche Funktion wie der Holländermythos hat die mittelalterlich-mythische Maskerade in Kleists Stück Käthchen von Heilbronn, das sich als Parallelstück auch deshalb anbietet, weil da zwei Menschen sich in einer Sphäre treffen, die nicht Teil dieser Welt, aber auch explizit kein Traum ist.

Mitwirkende

Srboljub Dinić(Musikalische Leitung)
Francis O’Connor(Bühnenbild)
Tarmo Vaask(Dramaturgie)
Luciano Batinic(Schauspieler/in)
Mardi Byers(Schauspieler/in)
Fabienne Jost(Schauspieler/in)
Niclas Oettermann(Schauspieler/in)
Claude Eichenberger(Schauspieler/in)
Marit Sauramo(Schauspieler/in)
Andries Cloete(Schauspieler/in)
Kevin Short(Schauspieler/in)
Hilary Griffiths(Musikalische Leitung)
Guido Petzold(Bühnenbild)
Sven Bindseil(Kostümbild)
Jens Bingert(Dramaturgie)
Johannes Blum(Dramaturgie)
Kay Stiefermann(Schauspieler/in)
Michael Tews(Schauspieler/in)
Alison Oakes(Schauspieler/in)
Johan Weigel(Schauspieler/in)
Joslyn Rechter(Schauspieler/in)
Miriam Ritter(Schauspieler/in)
Boris Leisenheimer(Schauspieler/in)
Christian Sturm(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Sonntag, 18. September 2011 (Premiere / Uraufführung)
Donnerstag, 22. September 2011
Sonntag, 25. September 2011
Sonntag, 02. Oktober 2011
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Samstag, 22. Oktober 2011
Freitag, 28. Oktober 2011

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