Im Hinblick auf den 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbe-Abkommens könnte die Geschichte um Sibel und Cahit in Gegen die Wand aktueller kaum sein. Im Zentrum des Stücks steht die schmerzhafte Suche der beiden Deutschtürken nach Identität in der Auseinandersetzung mit prägenden familiären und kulturellen Strukturen. Die junge Sibel flüchtet sich in eine Scheinehe mit Cahit und erhofft sich ein Leben nach eigenen Vorstellungen. Voller Lebens- und Liebeshunger stürzt sie sich in Affären und Drogen. Doch Cahit verliebt sich in Sibel.
Nach dem Drehbuch des gleichnamigen Films von Fatih Akin schrieb der deutsche Komponist Ludger Vollmer, der sich in Istanbul in traditioneller türkischer Musik ausbilden ließ, eine Oper in deutscher und türkischer Sprache. In seiner energiegeladenen, emotionalen Musik verwendet er sowohl klassische Orchesterinstrumente als auch traditionell türkische Instrumente wie Kaval, Kanun, Zurna und Saz. Ebenfalls im Spannungsfeld zwischen Klassik und Moderne begegnen sich auf der Bühne verschiedene Tanzrichtungen: Choreograph Kadir „Amigo“ Memiş, der mit dem „Zeybreak“ einen Tanzstil zwischen Tradition und HipHop entwickelt hat, lässt in Gegen die Wand einen B-Boy auf eine klassische Balletttänzerin – die ehemalige Erste Solistin des Stuttgarter Balletts Sonia Santiago – treffen.
Während die Sopranistin Tereza Andrasi (ehemals Chyňavová) wie bereits bei der Premiere 2010 wiederdie Partie der weiblichen Hauptrolle Sibel übernimmt, ist der türkische Bariton Levent Bakirci in Stuttgart erstmals als Cahit zu erleben. Er verkörperte die Partie bereits bei der Uraufführung des Werks im Jahr 2008 am Theater Bremen. Der Chor der Jungen Oper, bestehend aus etwa 30 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 23 Jahren, hat sich für die Wiederaufnahme des Stücks neu formiert.

