Aus der Perspektive des religiöspatriarchalischen Systems verwandelt sich somit die Begierde der jungen Menschen in Inzest. Doch das Verlangen bleibt, wird noch größer und das Ausleben vor dem Hintergrund der scharfen Gesetze gleichzeitig gefährlicher. Der Sohn begehrt auf, die neue Königin sieht sich gefangen in eigener Disharmonie zwischen politischer Pflicht und menschlicher Erfüllung. Indes nutzt Rodrigo die Begierden seiner Mitmenschen, um seine vermeintlichen Freiheitsideale zu verwirklichen. Sukzessiv entgleiten den Sehnsüchtigen ihre Ränke, die Tragödien nehmen ihren Lauf … und dies nicht unbeobachtet: Die Machtstrebenden wie auch die Liebenden bewegen sich im Kreise einer ganz anderen, allmächtigen und gefährlichen Verführung – einer medialen, religiös besetzten Suggestion: der Inquisition.
Aus dieser Welt, geprägt von Untiefen des religiösen Fanatismus und falschen Idealen, scheint ein Entkommen schier unmöglich. Und der Zuschauer wird in den Diskurs über Seele und Seelenheil unerbittlich hineingezogen.
Oper in vier Akten nach Schillers dramatischem Gedicht Don Carlos, Infant von Spanien // Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle // Italienischer Text von Antonio Ghislanzoni // In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Alexander Kalajdzic Inszenierung Jochen Biganzoli Bühne Wolf Gutjahr Kostüme Heike Neugebauer Dramaturgie Daniel Westen

