Die Komödie handelt von der langjährigen Freundschaft zwischen drei Männern, die auf eine harte Probe gestellt wird, als sich einer von ihnen ein monochromes Bild – weiß mit weißen Streifen – für 200 000 Francs kauft. „Ein Antrios“, verkündet er stolz. „Eine Scheiße“, entgegnet sein Freund, und dann bitten sie den unglücklichen Dritten, den Streit zu schlichten – der aber macht natürlich mit seinem Versuch, zwischen den beiden zu vermitteln, alles nur noch schlimmer.
Wie eine besitzergreifende Geliebte drängt sich das Bild unabwendbar zwischen die Freunde und zerstört das gemeinsame Lachen, das sie immer verbunden hat. Die weiße Leinwand, das kostspielige Nichts oder die „Scheiße“, die daran geknüpfte Diskussion um Deutungshoheit, Kunst, Geld und die Macht von Statussymbolen ist allerdings nur der Anlass, das tragikomische Auseinanderbrechen von Freundschaften, die Brüchigkeit aller menschlichen Verhältnisse und Gemeinschaften darzustellen.
Inwieweit sich Kunst, Ästhetik und Leben gegenseitig bedingen, ist ebenso Teil der Auseinandersetzung wie die Frage, die das Bühnengeschehen direkt an den Zuschauern weiter reicht: Was zeichnet gute Kunst aus und ist es überhaupt möglich, diese Frage fern von geschmäcklerischen und modischen Tendenzen zu beantworten? Pointiert und scharfzüngig, dabei bitterböse und abgrundtief komisch hat Yasmina Reza einem heutigen Bildungsbürgertum den Spiegel vorgehalten und avancierte mit dem preisgekrönten Stück gleichzeitig zu einer weltweit bejubelten Autorin von Gegenwartsdramatik. Der leitende Dramaturg Jens Groß knüpft mit Kunst an frühe eigene Regiearbeiten an und stellt mit Rezas Text die Grundfrage der Ästhetik: Wie sind Kunst, Konsum oder Können sinnlich wahrnehmbar?

