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San Paolo

in Theater am Domhof
Uraufführung/Premiere am 28. April 2018
Das Evangelium nach Matthäus ist der bekannteste Film von Pier Paolo Pasolini, der als Kommunist und Homosexueller ein problematisches Verhältnis zur Katholischen Kirche hatte. Obwohl er an die humane Botschaft des Christentums glaubte, sah er sie durch die institutionalisierte Kirche bedroht. Wenig bekannt ist, dass Pasolini einen Film über den Apostel Paulus plante, der jedoch nie realisiert wurde.
© Philipp Hülsmann

Im überlieferten Filmskript versetzt Pasolini Paulus mitten in das 20. Jahrhundert. Originaltexte aus der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen konfrontiert er mit der Lebensrealität der Menschen in der Zeit der deutschen Besatzung in Paris, der Bonner Adenauerzeit oder den USA der 1960er Jahre.

Der Komponist Sidney Corbett nutzt dieses Material für seine neue Oper San Paolo. Corbett brachte bereits 2012 die Oper Das große Heft in der Friedensstadt zur Uraufführung, die ein großer Publikumserfolg war. Ralf Waldschmidt, Intendant, erstellte in Zusammenarbeit mit Sidney Corbett das Libretto zu San Paolo. Die Oper ist in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Der Kirchengründer Paulus ist bei Pasolini und Corbett ein faszinierender Mystiker, ein begeisternder Lehrer seiner Jünger und gleichzeitig ein von Zweifeln und Ängsten verzehrter Dogmatiker. Die Oper beginnt mit der Berufung des heiligen Stephanus zum Diakon und endet mit der Ermordung des Paulus. Der Apostel wird bei Pasolini nicht in Rom mit dem Schwert hingerichtet, sondern in New York erschossen. Pasolini nimmt auf die Ermordung Martin Luther Kings in einem Hotel in Memphis Bezug. Der bis heute kontrovers diskutierte Filmkünstler benennt die reaktionären Kräfte des 20. Jahrhunderts, die im Widerspruch zu der Idee des (Ur-)Christentums stehen: Unterdrückung identifiziert Pasolini im Faschismus und Kapitalismus ebenso wie in der restaurativen Atmosphäre der BRD der 1950er Jahre, dem klerikal geprägten Italien oder schließlich den USA der 1960er Jahre, in dem die schwarze Bevölkerung um Bürgerrechte kämpft.

Textfassung von Ralf Waldschmidt
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung Daniel Inbal
Inszenierung Alexander May
Bühne Wolf Gutjahr
Kostüme Katharina Weissenborn
Choreinstudierung Markus Lafleur
Dramaturgie Ralf Waldschmidt

Mit dem Opernchor und Kinderchor des Theaters Osnabrück, dem Osnabrücker Symphonieorchester und der Statisterie des Theaters Osnabrück.

Mitwirkende

Sidney Corbett(Komponist/in)
Ralf Waldschmidt(Dramaturgie)
Wolf Gutjahr(Bühnenbild)
Markus Lafleur(Choreografie)
Daniel Inbal(Musikalische Leitung)
Jan Friedrich Eggers(Schauspieler/in)
Daniel Wagner(Schauspieler/in)
Lina Liu(Sänger/in)
Genadijus Bergorulko(Schauspieler/in)
Klaus Fischer(Schauspieler/in)
Rhys Jenkins(Schauspieler/in)
Susann Vent-Wunderlich(Schauspieler/in)
José Gallisa(Schauspieler/in)
Mario Lee(Schauspieler/in)
Jong-Bae Bu(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Samstag, 28. April 2018 (Premiere / Uraufführung)

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