Seit 25 Jahren steht August Everdings „Zauberflöten“-Inszenierung auf dem Spielplan der Staatsoper Unter den Linden – nun ist es an der Zeit, Mozarts vielschichtiges Meisterwerk einer neuerlichen Befragung zu unterziehen. In seiner Inszenierung entführt Yuval Sharon in nicht weniger fantasievolle, doch ästhetisch ganz andere Bilderwelten. Im Zentrum steht dabei die Idee einer Collage, wie sie schon Mozarts Musik selbst darstellt, indem sie beständig zwischen den Stilebenen des Singspiels und der Oper a seria changiert. Dabei setzt sich Sharon gemeinsam mit Bühnenbildnerin Mimi Lien und Modedesigner Walter Van Beirendonck mit der Wiener Maschinenkomödie und dem Marionettentheater auseinander, an dem Heinrich von Kleist die verlorene „natürliche Grazie“ des Menschen bewunderte. Bei Sharons Inszenierungsansatz hält die kindliche Phantasie die Fäden in der Hand.
Auf Opernspielplänen ist es gängige Praxis, eine ältere Inszenierung durch die jeweils neue zu ersetzen. Doch neben der Neuproduktion der „Zauberflöte“ steht auch weiterhin die für die Repertoirepflege so wichtige Everding-Inszenierung auf dem Spielplan – zwei verschiedene Perspektiven auf die weltweit meistgespielte deutschsprachige Oper.

