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Der Reisende

Uraufführung/Premiere am 22. Mai 2019
Otto Silbermann, ein angesehener und wohlhabender jüdischer Kaufmann, sieht sich infolge der Novemberpogrome 1938 gezwungen, aus Berlin zu fliehen und seine Frau, sein Geschäft und sein Haus zurückzulassen. Für Silbermann waren die eigenen jüdischen Wurzeln nie von Bedeutung, doch mit der systematischen Judenverfolgung der Nazis zerfällt auch seine säkulare Welt in Juden und Nicht-Juden.

Von einem Augenblick zum anderen rechtlos geworden, sieht er sich verurteilenden Blicken, abschätzigem Getuschel und öffentlicher Hetze ausgesetzt. Orientierungslos, gedemütigt und verzweifelt um Haltung ringend, durchquert Silbermann schlaflos mit der deutschen Reichsbahn seine Heimat, in welcher er über Nacht zum Gejagten geworden ist. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert.

So höllisch finster der zeithistorische Hintergrund ist: Otto Silbermann hebt sich nicht als Lichtgestalt von ihm ab. Er ist ein widersprüchlicher und eigenwilliger Charakter, kein Held, sondern ein Mensch, dessen Handeln nur das eine nachvollziehbare Ziel kennt: überleben. Wie nicht wenige patriotisch gesinnte deutsche Juden damals ist er in Momenten der existenziellen Angst von der Überzeugung getrieben, nur die anderen Juden seien schuld an seiner Not: „Es sind zu viele Juden im Zug, dachte Silbermann. Dadurch kommen wir alle in Gefahr. Euch anderen habe ich es überhaupt zu verdanken. Wenn ihr nicht wärt, dann könnte ich in Frieden leben. Weil ihr aber seid, falle ich in eure Unglücksgemeinschaft! Ich unterscheide mich durch nichts von anderen Menschen, aber vielleicht seid ihr wirklich anders und ich gehöre nicht zu euch. Ja, wenn ihr nicht wärt, würde man mich nicht verfol-gen. Dann könnte ich ein normaler Bürger bleiben. Weil ihr existiert, werde ich mit ausgerottet.“

Als Silbermanns Aktentasche mit 30’000 Reichsmark gestohlen wird und er somit sein letztes Hab und Gut verliert, fasst er einen wahnsinnigen Entschluss.

Fast 80 Jahre nach der englischen Erstveröffentlichung erscheint „The Man Who Took Trains“ des deutsch-jüdischen Autors Ulrich Alexander Boschwitz 2018 auf Deutsch auf der Grundlage eines Typoskripts – und wird zum Bestseller. Der 1915 in Berlin geborene Kaufmannssohn Boschwitz hat den Roman im Alter von 23 Jahren, wenige Jahre vor seinem Tod, unter dem Eindruck der Novemberpogrome wie im Fieberrausch geschrieben. Er zeigt eindrücklich und verstörend, was es für einen Menschen bedeutet, alles zu verlieren und auf der Flucht zu sein. Manon Pfrunder inszeniert den nun neu entdeckten Roman „Der Reisende“ und setzt seinen lakonischen, berührenden und spannenden Text zeitgenössisch in Szene.

Manon Pfrunder, geboren 1988, studierte Schauspiel an der EFAS in Zürich. Während dieser Zeit machte sie auch erste Erfahrungen in der Regie und inszenierte in der freien Theaterszene „2 nach Orff“ von Marcus Everding. Danach arbeitete sie in Berlin am Heimathafen Neukölln und an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz als Gastregieassistentin. Seit 2015 ist Manon Pfrunder Regieassistentin am Schauspielhaus Zürich. 2018 zeigte sie eine Adaption von „Abendlicht" nach der Erzählung von Stephan Hermlin.

Das Bild zeigt Ulrich Alexander Boschwitz.

Mitwirkende

Sandra Antille(Bühnenbild)
Iva Ivanova(Kostümbild)
Armin Kerber(Dramaturgie)
Timo Raddatz(Videodesign)
Martin Hofstetter(Sounddesign)
Benjamin Große(Dramaturgie)
Thomas Adam(Lichtdesign)
Klaus Brömmelmeier(Schauspieler/in)
Vera Flück(Schauspieler/in)
Matthias Neukirch(Schauspieler/in)
Nicolas Batthyany(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Mittwoch, 22. Mai 2019 (Premiere / Uraufführung)
Samstag, 25. Mai 2019
Montag, 27. Mai 2019
Freitag, 31. Mai 2019
Sonntag, 02. Juni 2019
Montag, 10. Juni 2019
Freitag, 14. Juni 2019
Samstag, 15. Juni 2019
Montag, 17. Juni 2019
Mittwoch, 19. Juni 2019
Donnerstag, 20. Juni 2019
Samstag, 22. Juni 2019
Dienstag, 25. Juni 2019
Donnerstag, 27. Juni 2019 (Derniere / Letzte Vorstellung)

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