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Amerikanische Avantgarde

Uraufführung/Premiere am 08. Juni 2019
Der b40-Ballettabend präsentiert vier Stücke amerikanischer Choreographen der Moderne, die sowohl die amerikanische als auch die internationale Tanzszene maßgeblich beeinflussten. Die Werke zeigen die Vielfalt und die unterschiedlichen Ansätze des modernen Tanzes.
© Bert Weigelt

"Pacific" von Mark Morris zu zwei Sätzen aus dem Trio für Violine, Violoncello und Klavier von Lou Harrison setzt den Beginn. Vor einer azurblauen Wand, die zu Grasgrün und dann zu Rot wechselt, erscheinen drei Tänzer in weit schwingenden weißen Röcken mit blauen monochromen Farbflecken. Vier Frauen in luftigen weißen Kleidern mit grünen Farbflecken übernehmen die Bühne und tanzen passend zur Farbe mehr erdhaft. Immer wieder blitzen in "Pacific" momenthafte Anklänge an bekannte rituelle Gesten der Weltreligionen auf, wie dem Tanz der Derwische, indischen Tempeltänzen und Andachtshaltungen, die sich harmonisch in das fließende Gesamtbild einfügen und nicht wie Fremdkörper erscheinen. "Pacific" ist leicht, feierlich und flüchtig und allzu schnell vorbei.

Ganz ohne Musik kommt das "Locus Trio" von Trisha Brown aus. Getanzt wird es von zwei Frauen und einem Mann in weißen Hosen und weißen langärmeligen Shirts. Trisha Browns Stil zeichnet sich durch seine Schlichtheit aus. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und neuen Formen des Tanzes löste sich Trisha Brown von der akademischen Technik und setzt Bewegungen ein, die alltäglich wirken und scheinbar von jedem ausgeführt werden können. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf der Beinarbeit allein, sondern es werden auch die Arme, der ganze Körper involviert. So entsteht der Eindruck von Beiläufigkeit. Ihre Arbeit "Locus Trio" erkundet den Raum geometrisch und formt einen Würfel nach. Ein Impuls entsteht und wird an die anderen Tänzer weitergeleitet. Alles geschieht ohne Emotion, ohne Dramatik und erscheint nicht virtuos, sondern schlicht. 1980 entstanden, diente diese Arbeit der Befreiung des Tanzes und zählte damals zur absoluten Avantgarde, was heutzutage kaum nachvollziehbar erscheint.

Bereits vor Trisha Brown befreite in den 1950er Jahren Merce Cunningham den Tanz von der Expressivität. Er zählt zu den einflussreichsten Choreographen Amerikas überhaupt. Sein minimalistischer Ansatz hat Generationen beeinflusst. Er verwendet häufig das Verfahren der Aleatorik, das John Cage für die Musik fruchtbar gemacht hatte, um neue Bewegungsmuster zu erschaffen. Er löste sich von den klassischen Vorstellungen der Raumorganisation und setzt nicht das Erzählerische in den Vordergrund, sondern bezieht sich auf das Sehen an sich. "Night Wandering" von 1958 ist ein frühes Stück und noch nicht völlig abstrakt, lässt aber schon seine typische Bewegungssprache erkennen. Es zeigt ein Paar auf einer nächtlichen Wanderung durch eine karge Landschaft. Gekleidet ist es in Felltunika und Fellweste, Kostümen, die von Robert Rauschenberg entworfen wurden und an die Kleidung nordischer Urvölker erinnern.

Etwas aus dem Rahmen fällt das Stück zum Abschluss des Abends: "Offenbach Overtures" von Paul Taylor, passend zum 200. Geburtstag von Jaques Offenbach, der in diesen Tagen gefeiert wurde. Musikalische Grundlage bildet ein Potpourri zusammengestellt aus Offenbachs Operetten „La Grande Duchesse de Gérolstein“, „Barbe-Bleue“, „American Eagle Waltz“, „Die Rheinnixen“ sowie dem Galopp aus „Flocons de Neige“. Im Gegensatz zu den anderen Choreographien ist Paul Taylors Stück heiter und erzählerisch. Das Ganze ist eine Karikatur menschlicher Verhaltensweisen und zeigt in parodistischer Weise Emotionen, die von Koketterie und Eitelkeit bis zum Streit und dann wieder zur Zuneigung gehen. Die Männer zeigen Imponiergehabe. Zwei Tänzerinnen plustern sich auf wie Hennen. Zum schwungvollen Tanz passen die roten, reduzierten Kostüme, wobei die Kleider der Frauen Anklänge an den Cancan enthalten, während die Kostümierung der Männer mit Ganzkörpertrikots, Zweispitz und Stiefel an napoleonische Uniformen denken lässt.

"b40" macht mit vier außergewöhnlichen Choreographien bekannt und zeigt, wie facettenreich moderner Tanz sein kann.

Mitwirkende

Mark Morris(Choreografie)
Martin Pakledinaz(Kostümbild)
James F. Ingalls(Lichtdesign)
Tina Fehlandt(Dramaturgie)
Franziska Früh(Musiker/in)
Doo-Min Kim(Musiker/in)
Alina Bercu(Musiker/in)
Ann-Kathrin Adam(Tänzer/in)
Doris Becker(Tänzer/in)
Sinthia Liz(Tänzer/in)
Cassie Martín(Tänzer/in)
Marcos Menha(Tänzer/in)
Chidozie Nzerem(Tänzer/in)
Marié Shimada(Tänzer/in)
Eric White(Tänzer/in)
Trisha Brown(Choreografie)
Thomas Diek(Lichtdesign)
Diane Madden(Dramaturgie)
Feline van Dijken(Tänzer/in)
Norma Magalhães(Tänzer/in)
Sonny Locsin(Tänzer/in)
Daniel Vizcayo(Tänzer/in)
Merce Cunningham(Choreografie)
Robert Rauschenberg(Kostümbild)
Beverly Emmons(Lichtdesign)
Julie Cunningham(Dramaturgie)
Stefanie C. Salm(Kostümbild)
Camille Andriot(Tänzer/in)
Wun Sze Chan(Tänzer/in)
Michael Foster(Tänzer/in)
Bruno Narnhammer(Tänzer/in)
Paul Taylor(Choreografie)
Patrick Francis Chestnut(Musikalische Leitung)
Santo Loquasto(Bühnenbild)
Jennifer Tipton(Lichtdesign)
Richard Chen See(Dramaturgie)
Alexandra Inculet(Tänzer/in)
Chidozie Nzerem(Tänzer/in)
Cassie Martín(Tänzer/in)
Marcos Menha(Tänzer/in)
Ann-Kathrin Adam(Tänzer/in)
Camille Andriot(Tänzer/in)
Doris Becker(Tänzer/in)
Wun Sze Chan(Tänzer/in)
Feline van Dijken(Tänzer/in)
Sonia Dvořák(Tänzer/in)
Yoav Bosidan(Tänzer/in)
Rashaen Arts(Tänzer/in)
Vincent Hoffman(Tänzer/in)
Pedro Maricato(Tänzer/in)
Orazio di Bella(Tänzer/in)
Tomoaki Nakanome(Tänzer/in)
Eric White(Tänzer/in)
Alexandre Simões(Tänzer/in)
Daniel Smith(Tänzer/in)
Arthur Stashak(Tänzer/in)
Mark Morris(Choreografie)
Martin Pakledinaz(Kostümbild)
James F. Ingalls(Lichtdesign)
Tina Fehlandt(Dramaturgie)
Franziska Früh(Musiker/in)
Doo-Min Kim(Musiker/in)
Alina Bercu(Musiker/in)
Trisha Brown(Choreografie)
Thomas Diek(Lichtdesign)
Diane Madden(Dramaturgie)
Merce Cunningham(Choreografie)
Robert Rauschenberg(Kostümbild)
Beverly Emmons(Lichtdesign)
Julie Cunningham(Dramaturgie)
Stefanie C. Salm(Kostümbild)
Patrick Francis Chestnut(Musikalische Leitung)
Santo Loquasto(Bühnenbild)
Jennifer Tipton(Lichtdesign)
Richard Chen See(Dramaturgie)
Johannes Mielke(Musiker/in)
Alexandra Inculet(Schauspieler/in)
Cassie Martín(Schauspieler/in)
Chidozie Nzerem(Schauspieler/in)
Marcos Menha(Schauspieler/in)
Ann-Kathrin Adam(Tänzer/in)
Doris Becker(Tänzer/in)
Sinthia Liz(Tänzer/in)
Feline van Dijken(Tänzer/in)
Norma Magalhães(Tänzer/in)
Sonny Locsin(Tänzer/in)
Daniel Vizcayo(Tänzer/in)
Camille Andriot(Tänzer/in)
Wun Sze Chan(Tänzer/in)
Michael Foster(Tänzer/in)
Bruno Narnhammer(Tänzer/in)
Yoav Bosidan(Tänzer/in)
Rashaen Arts(Tänzer/in)
Vincent Hoffman(Tänzer/in)
Pedro Maricato(Tänzer/in)
Tomoaki Nakanome(Tänzer/in)
Eric White(Tänzer/in)
Alexandre Simões(Tänzer/in)
Daniel Smith(Tänzer/in)
Arthur Stashak(Tänzer/in)

Spielzeiten

Samstag, 08. Juni 2019 (Premiere / Uraufführung)

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