Ausgehend von Immanuel Kants Ausspruch, dass »unter allen Rechten des Souveräns die Gnade das schlüpfrigste Recht sei«, hinterfragt der preisgekrönte Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, der zum ersten Mal in Magdeburg inszeniert, anhand von Mozarts Oper das Spannungsfeld von Gnade und Willkür. So wie es Dietrich W. Hilsdorf schon in vielen seiner Inszenierungen bewiesen hat, erschließt er mit seinen Darstellern die seelische Verfassung der Figuren, ihre Emotionen, ihre inneren Entscheidungen sowie die komplexen Konstellationen und ihre Funktionen im Machtgefüge der Oper: Herrschaft, Liebe, Verrat, Freundschaft. Hilsdorf entwickelt außerdem eine Inszenierung, die die gültigen Abstands- und Hygieneregeln einhält.
Wie aktuell Mozarts Oper ist, zeigt Dietrich W. Hilsdorf, indem er die historischen Schichten des Stoffes herausarbeitet. So zeigt das Bühnenbild Giovanni Paolo Panninis barocke Sicht auf das antike Forum Romanum inklusive Titus-Bogen, das Ganze auf einer heutigen Bühne: Der Kontrast verdeutlicht, dass es unter der Oberfläche des Idylls in der Oper gewaltig brodelt, ruft doch Vitellia gleich zu Beginn der Oper Sextus zum Brandanschlag auf den Kaiser und das Kapitol auf. Und während Titus in der Öffentlichkeit, die der Chor im Rang des Zuschauerraums repräsentiert, immer wieder ein gutes Bild von sich zu erzeugen versucht, setzt er in seinem inneren Herrschaftszirkel die titelgebende Gnade ein, um die brüchig gewordene Fassade zu retten.
Libretto von Caterino Mazzolà in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln.


