Mit Hilfe der NOA-Verkaufstechnik hält Simone die Stimmung hoch. Bundeswehrsoldat Karl Schmidt weiß das zu schätzen. Dankbar lauscht er Simones Weissagungen aus dem Groschenroman „Der grausame Nebel des Grauens, der alles und jeden tötet“ und prophetisch bestätigt sich, was Simone schon lange weiß: Gedanken gestalten die Welt da draußen. Früher verkaufte Karl Schmidt 3-D-Drucker, bis ein terroristischer Angriff seine Karriere beendete. Seither ist er Drohnenpilot, zuständig für entfremdetes Töten. Unverstanden, falsch ausgerüstet für die Welt, bleibt ihm nur die Gewissheit, dass die Wahrheit mal allein demjenigen gehört, der sie beansprucht – und er legt sich mit Dietmar an, dem die Verrücktheit langsam zu viel wird.
Als die Lüftung ClimateChange 2030 ausfällt, passiert es schließlich: das Eis schmilzt, der Wasserpegel steigt, die Apokalypse ist da und jeder kämpft ums Überleben. Dietmar angelt mutierte Fische, Simone baut an einer Arche und Gott betritt die Bühne, aber nur kurz – denn eigentlich handelt es sich hier um eine andere Geschichte. Es geht um die Geschichte von Theodore Müller Schulz – und sie ist es auch, die entscheidet, wer – im Nebel des kapitalistischen Daseins umherirrend – erzählen darf und wer zuhören muss.
Wie an vielen anderen Bühnen sind auch an den Theatern Chemnitz mehrere Neuproduktionen fertiggestellt, deren Premieren coronabedingt bisher nicht öffentlich gezeigt werden konnten. Die neue Serie DIGITAL PLAY präsentiert nun drei neue Schauspielinszenierungen im Abstand von je einer Woche auf www.theater-chemnitz.de/digital-play. Mit diesem Online-Angebot möchten die Theater Chemnitz ihr Publikum herzlich einladen, in Zeiten geschlossener Spielstätten dennoch aktuelle Produktionen erleben zu können.
Den Anfang macht die Farce „Arche Noa – Das Ende vom Schluss“ von Sören Hornung. Das Gewinnerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik 2020 sollte im Mai vergangenen Jahres uraufgeführt werden, mittlerweile musste die Premiere viermal verschoben werden. Im doppelten Sinn am Puls der Zeit gelegen, erblickt das Stück nun auf digitalem Weg das Licht der Welt.


