Theaterkompass.de Logo

Arbeiterinnen: Uraufführung von werkgruppe2

in Ruhrfestspielhaus
Uraufführung/Premiere am 27. Mai 2021
„Arbeiterinnen / Pracujace kobiety“ von werkgruppe2 ist ein dokumentarisches Porträt, das die Lebensgeschichten von drei Frauengenerationen aus Arbeiterfamilien in Polen und Deutschland erzählt. Es beleuchtet die Herausforderungen des sozialen Abstiegs und die Bedeutung von Arbeit für die Identität.
© Ruhrfestspiele Recklinghausen

Sechs Lebensgeschichten von Frauen in Polen und Deutschland, die anders verlaufen sind als erhofft: „Arbeiterinnen“ erzählt über drei Generationen hinweg von der Erfahrung eines sozialen Abstiegs, der mit dem Verlust von Arbeit zusammenhängt. Mal ist eine ganze Industrie-Branche abgewickelt worden, mal der Betrieb insolvent gegangen oder die Kinderbetreuung fehlte. Um der Frage näher zu kommen, was Arbeit für die eigene Identität bedeutet, hat die Kompanie werkgruppe2 über ein Jahr lang Interviews mit Frauen aus Arbeiterfamilien in den Industrieregionen Niederschlesien und Ruhrgebiet geführt.

So ist ein berührendes und intimes Porträt entstanden, von Frauen in Polen und Deutschland, die zu den gesellschaftlich Ausgeklammerten zählen. Das Thema hat seitdem nicht an Brisanz verloren. Schon wenige Monate nach dem Ausbruch der Pandemie ließ sich feststellen, dass von den wirtschaftlichen und sozialen Folgen diejenigen – insbesondere Frauen – betroffen sind, die in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind, und dass ein erschreckend starker Backlash auf traditionelle Rollenbilder in Familien zu beobachten ist. Der vergleichende Blick auf die europäischen Länder Polen und Deutschland macht deutlich, wie Arbeitsbiografien brüchig werden und Geschlechter- und Familienmodelle sich verändern. Und es entsteht die dringende Frage, wie gegenseitige Solidarität möglich ist.

werkgruppe2 ist eine freie Künstlerinnenkompanie, die Projekte des dokumentarischen Story-Tellings entwickelt. In vor allem Theater- und Filmarbeiten versucht werkgruppe2, soziale Wirklichkeit aus der Perspektive von Menschen zu beschreiben, die zu gesellschaftlichen Minderheiten, Unsichtbaren, Ausgeklammerten zählen. Beruhend auf einer ausführlichen journalistischen Recherche entstehen atmosphärisch und erzählerisch dichte Umsetzungen, welche die Grenzen von Dokumentation und Fiktion ausloten. Ausgangspunkt für die Texte sind narrative Interviews, die meist eine klar umrissene Perspektive auf ein Thema erfassen.

Weitere Programmpunkte der vierten Festspielwoche
Live: „Happiness“ von Dries Veroeven – Installation im öffentlichen Raum
Der niederländische Theatermacher und Bildende Künstler Dries Verhoeven erforscht mit der begehbaren Installation „Happiness“ die Welt des künstlichen Glücks. Den Raum, wo das Menschliche und Künstliche verschmelzen.

Auf dem Kirchplatz in der Recklinghäuser Innenstadt, gegenüber der Propsteikirche St. Peter, steht ein kleines Betongebäude. Eine seltsame Kreuzung aus Apotheke und öffentlicher Toilette. Man kann das Gebäude betreten. Im Innern sitzt an einer Art Verkaufstresen hinter einer Glasscheibe ein weiblicher Humanoid, ein menschlich aussehender Roboter und spricht zu den Eintretenden.

Dries Verhoeven ist Theatermacher und bildender Künstler. Er entwickelt Installationen, Performances und Happenings in Museen, an Originalschauplätzen und im öffentlichen Raum. Der niederländische Künstler erzeugt mit seinen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Theater und Installation ein irritierendes Spannungsfeld zwischen Zuschauer*innen und Performer*innen, Alltagsrealität und Kunst. Die Zuschauer*innen sind direkt in die Arbeit eingebunden. Dries Verhoevens Arbeiten waren u. a. bei den Wiener Festwochen, Salzburger Festspielen, Onassis Cultural Center/Athen und beim Holland Festival zu sehen.

Die Installation „Happiness“ ist täglich geöffnet und kann jeweils von einer Person betreten werden. Jede Einzelvorstellung (in engl. Sprache) dauert rund 25 Minuten, der Eintritt ist frei. Alle Details finden Sie auf unserer Website.

Schauspielhighlights im Digitalen Ruhrfestspielhaus
Gleich zwei große Schauspielproduktionen mit bekannten Schauspieler*innen zeigen wir in der kommenden Woche im Digitalen Ruhrfestspielhaus. Es spielen Ulrich Matthes und Wolfram Koch. In der Inszenierung von Jan Bosse wird daraus eine Feier der Fantasie und der Schauspielkunst. Tagsdrauf ist die erste digitale Vorstellung von „Orlando“ nach dem Roman von Virginia Woolf in der Regie von Lily Sykes mit Corinna Harfouch in der Titelrolle. Witzig, boshaft, schillernd und voller Provokationen gilt „Orlando“ als Meisterwerk der literarischen Moderne und ist eines von Woolfs bekanntesten Bücher, nicht zuletzt, weil die Autorin in ihm scheinbar Unverrückbares demontiert: Stand, Status, Geschlecht und Geschichtsschreibung, Macht, Posen und Konventionen. Am 29. Mai gibt es zudem im Anschluss an die Vorstellung ein Künstler*innengespräch mit Beteiligten der Produktion.

„All Genius All Idiot“ – Neuer Zirkus aus Schweden (digital)
Die vier Ausnahmeakrobaten, Absolventen der Circus-Universität Stockholm, mischen Zirkus, Tanz, Slapstick und Musik, ein bisschen Glitzerkonfetti und viel Anarchie. Es ist ein schmaler Grat zwischen Genie und Wahnsinn, aber die schwedische Svalbard Company balanciert besonders tollkühn darauf. Sie agieren in halsbrecherischen Höhen, am Vertikalseil und Chinesischen Mast, im Handstand und am Boden. Und nebenbei spielen sie nicht nur mit diversen Instrumenten den wunderschön bizarren Soundtrack dieser surrealen Show selbst ein, sondern jonglieren auch noch die großen philosophischen Fragen des Lebens, sexuelle Identitäten, genauso wie Schönheitsideale und banale Nichtigkeiten.

Mitwirkende

Insa Rudolph(Musikalische Leitung)
Isabel Robson(Videodesign)
Miriam Tröscher(Bühnentechnik)
Piotr Jaxa(Bühnentechnik)
Léa Dietrich(Bühnenbild)
Viva Schudt(Bühnenbild)
Silke Merzhäuser(Dramaturgie)
Piotr Rudzki(Dramaturgie)
Judith Heese(Dramaturgie)
Kasia Noga(Autor/in)
Iwona Uberman(Autor/in)
Andreas Volk(Autor/in)

Spielzeiten

Donnerstag, 27. Mai 2021 (Premiere / Uraufführung)

Teile den Beitrag auf

Background image of the page