"Intolleranza 1960" von Luigi Nono ist eine Oper, die sehr viele Fragen aufwirft. Ein überwältigendes Werk mit Gesang, Orchester, Elektronik, Tanz und Licht, das bei seiner Uraufführung Tumulte auslöste. Jan Lauwers ist verantwortlich für Regie, Bühnenbild und Video. Ingo Metzmacher dirigiert die Wiener Philharmoniker.
Der 1924 geborene Italiener Luigi Nono war Schwiegersohn von Arnold Schönberg und lehnte die Bezeichnung Oper strikt ab. Er nannte sein erstes Musiktheater „Szenische Aktion“: Wort, Bild, Handlung, Gesang, Orchester, Bühnen- und Zuschauerraum sollten gleichermaßen einbezogen werden. Für eine Neuinszenierung ist der preisgekrönte Belgier Jan Lauwers erste Wahl. Er ist in Personalunion für Regie, Choreografie, Bühnenbild und Video verantwortlich.
Die Uraufführung von „Intolleranza 1960“ im Teatro la Fenice in Venedig war 1961 ein Skandal: Stinkbomben, Pfiffe und der Vorwurf italienischer Neo-Faschisten, Intolleranza sei eine primitive Verherrlichung des Kommunismus. Doch am Ende überwogen Bravo-Rufe und Komparsen trugen Nono und Dirigent Bruno Maderna auf ihren Schultern.
Nono war Kommunist, seine komplexe Textcollage ist mit kommunistischer Kulturpolitik aber vollkommen unvereinbar: Er verarbeitet Gedichte von Bertolt Brecht, Angelo Maria Ripellino und Jean-Paul Sartre und vermischt sie mit politischen Parolen, Ausschnitten aus Verhören der Nazis und der französischen Polizei im Algerienkrieg. Ein volksnahes Stück mit Agitationsliedern ist das genaue Gegenteil.


