Für Leoš Janáčeks war die ganze Welt Klang. Der tschechische Komponist lauschte hingebungsvoll dem Sprechen seiner Landsleute und gewann aus den Eigenarten ihrer Worte und Sprachmelodien ein musikalisches Universum. Janáčeks im tiefsten Sinne eigener Kompositionsstil synthetisiert slawisch-folkloristische Klänge mit kirchenmusikalischen Einflüssen, ausdrucksstarker Farbgebung und detailreicher Motivarbeit im Dienste des Dramas.
Das Œuvre von Leoš Janáček nimmt in der Geschichte des Musiktheaters im 20. Jahrhundert eine einzigartige Stellung ein. Janáček entwickelte als erster Komponist ein konzentriertes Klangbild, in dem Struktur und Sprache über weite Strecken – verschränkt mit orchestral geprägten Passagen – klar dominieren und dramaturgisch-musikalische Sogwirkung entfalten. Mit Katja Kabanowa schuf der Komponist eine starke Frauenfigur, die leidenschaftlich gegen die Konventionen ihrer Zeit aufbegehrt, daran aber letztlich zerbricht.
Basierend auf dem Drama Das Gewitter des Dichters Aleksandr N. Ostrowski schuf Janáček mit Katja Kabanowa ein meisterhaftes Musikdrama. Fast auf den Tag genau einhundert Jahre nach ihrer Uraufführung am Nationaltheater Brno erklingt die Liebestragödie in einer Neuproduktion.
Einst begann die niederländische Regisseurin Jetske Mijnssen ihre Karriere an der Komischen Oper Berlin. Nun wirft sie hier einen zeitgenössischen Blick auf Janáčeks Meisterwerk. An ihrer Seite: die litauische Dirigentin Giedrė Šlekytė, die die Dirigentenpulte der Welt im Sturm erobert und nun in ihrem Berliner Operndebüt Janáčeks Werk seine Magie entlockt. In der Titelpartie – eine der großen Frauenfiguren des modernen Musiktheaters – ist die international renommierte Sopranistin Annette Dasch zu erleben.


