Und falls doch Wünsche offenbleiben, hilft ein Springbrunnen, der Beamte zum Schweigen bringt, eine Parkbank, die Lügen verstummen lässt, und eine Uhr, die die Zeit für die Liebe manipuliert. Bedroht wird diese idyllische Welt der Sowjet-Operette jedoch von reichen Funktionär:innen und korrupten Hausverwalter:innen. Aber selbst derer vermag die neue Nachbarschaftsgemeinschaft mit List und Tücke Herr zu werden.
Dmitri Schostakowitsch traf mit seiner musikalischen Satire über Wohnungsnot, Korruption und Vetternwirtschaft 1959 den Nerv der Zeit. Hinter Tscherjomuschki, was sich frei als Kirschgarten übersetzen lässt, verbirgt sich eine reale, 1956 gebaute Sozialsiedlung am Rande Moskaus, die heute die Firmenzentrale von Gazprom beherbergt und den Trabantenvierteln in ganz Russland sprichwörtlich ihren Namen gab. Schostakowitsch spielte sich besonders mit seinem einzigartigen musikalischen Humor in die Herzen seines Publikums, indem er Tschaikowsky persiflierte, Schlager und Volkslieder verarbeitete und sogar seine eigenen Kompositionen parodierte.
Regisseurin Corinna von Rad, die ihren Sinn für Humor bereits in ihrer Inszenierung von Don Pasquale unter Beweis stellte, kehrt für Schostakowitschs Operette zurück.
Aufgeführt wird dieses späte Bühnenwerk des Komponisten hier mit Gesangstexten in russischer Sprache und deutschsprachigen Dialogen. Dank der russischen Muttersprachler:innen bzw. russisch versierten Solist:innen im Opernensemble ist dabei eine besondere Authentizität gegeben.


