Die Revolution ist ausgebrochen und das einst privilegierte Grafenpaar Almaviva ist mit seinen Bediensteten Figaro und Susanna auf der Flucht. Bei ihnen ist auch Serafin, der herangewachsene Sohn der Almavivas, sowie Angelika, das aufgenommene Mündel des Grafen. Doch die Flucht misslingt: Ein zwielichtiger Major setzt die Gruppe fest.
In der Folge offenbart sich Sicher-Geglaubtes als fragil: Graf Almaviva versucht seinen gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten, verstrickt sich deshalb in Betrügereien und landet zeitweise im Gefängnis. Figaro scheint sich mit der neuen Zeit gut arrangieren zu können. Doch im Verhältnis zu Susanna zeigen sich Risse: Weil Figaro ihr das gemeinsame Kind verweigert, das Susanna sich sehnlichst wünscht, geht sie mit Cherubino fremd, der im Ort einen Nachtclub betreibt. Derweil unternimmt der Major alles, um die Familie Almaviva weiter ins Verhängnis zu stürzen ...
Mit »Der Barbier von Sevilla« (Rossini) und »Die Hochzeit des Figaro« (Mozart) stehen zwei weltberühmte Vertonungen um den berühmten Barbier Figaro im Opernkanon. Beide basieren auf Komödien des französischen Dichters Caron de Beaumarchais. Mitte der 1930er-Jahre spann Ödön von Hörváth die Geschichte um die Familie Almaviva weiter und schrieb das Stück »Figaro lässt sich scheiden«. Dieses Stück sowie eine Fortsetzungsvariante von Beaumarchais bildeten die Grundlage für Sir David Pountneys Libretto und für die Vertonung der Komponistin Elena Langer. Für sie liegt die Qualität des Stücks besonders darin, dass die Charaktere einander vergeben – allen Widrigkeiten zum Trotz. Ihre Musik grenzt sich komplett von Mozart oder Rossini ab – alles andere sei zum Scheitern verurteilt, betont sie in einem Interview mit der Wales Art Review. Langers Musik war zuletzt im Stück »Five Reflections on Water« beim 3. Sinfoniekonzert der Magdeburgischen Philharmonie im Opernhaus zu hören.
Die Oper »Figaro lässt sich scheiden« feierte 2016 an der Welsh National Opera ihre Uraufführung und wurde dann in Genf gezeigt. Die Bühne stammt von Ralph Koltai, der in Großbritannien als Vorreiter des abstrakten und metaphorischen Bühnenbilds galt. Er verstarb 2018 im Alter von 94 Jahren. Der renommierte Regisseur Sir David Pountney inszeniert zum ersten Mal in Magdeburg. Er ist im deutschsprachigen Raum vor allem durch seine erfolgreiche Leitung der Bregenzer Festspiele bekannt. Zuletzt inszenierte er im Oktober Wagners »Die Meistersinger« an der Oper Leipzig.


