Die Inszenierung umkreist das brisante Thema der „Verschwundenen“ („los desaparecidos“), Menschen, die aufgrund staatlicher oder organisierter Gewalt verschleppt oder ermordet werden, ihre Zahl in Mexiko wird auf 85.000 Opfer geschätzt. Doch nicht nur Menschen, auch Waffen verschwinden, die von deutschen Firmen in mexikanische Bundesstaaten geliefert werden, in die sie nie hätten gelangen dürfen. Auch Spuren der deutschen Emigration in Mexiko werden aufgegriffen.
Ästhetischer Ausgangspunkt der Inszenierung ist die Idee des Archivs, die ihren Niederschlag in der Raumanordnung findet. Verschwundene Dinge hinterlassen Spuren, doch wer entscheidet, was in Archiven gespeichert wird und welche Geschichten überliefert werden? Was bleibt, was wird erinnert? Welche Spuren hinterlassen Menschen, die verschwinden, welche Spuren hinterlassen ganze Zivilisationen, die verschwinden? Und was bedeutet das Verschwinden eigentlich für die Kunst? Für das Theater? Dieses immer flüchtige Medium, das vielleicht überhaupt nur im Verschwinden existiert?
Thomas Köck entwickelt mit seinem Team eine komplexe, mit den Ebenen Musik und Video spielende Gesamtkomposition, die sich durch Räume der Erinnerung bewegt.
Die Uraufführung algo pasó (la última obra) entsteht als Koproduktion mit Cultura UNAM und dem Teatro UNAM in Mexiko-Stadt, dem Théâtre National du Luxembourg und dem Goethe-Institut Mexiko. Die Idee zu diesem internationalen Projekt entstand während eines Arbeitsaufenthalts von Thomas Köck in Mexiko-Stadt in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Theaterkollektivs Bola de Carne. Die Texte werden auf Spanisch und Deutsch gesprochen und jeweils übertitelt.


