Doch Vetternwirtschaft und machtpolitische Spiele in den oberen Kreisen führen dazu, dass man die Klage höhnisch abweist. Seine Frau will ihn im Kampf um seine elementaren Bürgerrechte unterstützen – und kommt dabei zu Tode. Jetzt gerät die Welt für Kohlhaas endgültig aus den Fugen. Er verliert alles Vertrauen in die Institutionen des Staates, sinnt auf Rache und will sich auf eigene Faust Recht verschaffen.
Mit einer Bande von Landsknechten zettelt er einen blutigen Guerillakampf an. In der Bevölkerung regt sich Sympathie für den Fanatiker der Gerechtigkeit, die Stimmung ist gereizt. Die Mächtigen spüren: Ein gefährlicher Aufruhr liegt in der Luft. Kleists Text aus dem Jahr 1810 gilt als die „vielleicht stärkste Erzählung deutscher Sprache“ (Thomas Mann). Das Geschehen entfaltet einen ungeheuren Sog und enorme emotionale Wucht. Es geht um Rache, Gerechtigkeit, eskalierende Gewalt, unschuldige Opfer, das Versagen des Staates und die „gebrechliche Einrichtung der Welt“.


