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Medea 38 / Stimmen

Uraufführung/Premiere am 09. September 2022
Medea. Kaum ein Name erzeugt gleichzeitig so viel Faszination und Schrecken. Der Medea-Mythos hat über die Jahrhunderte hinweg zu zahlreichen Deutungen und Bearbeitungen Anlass gegeben, wobei Christa Wolfs Roman 'Medea.Stimmen' eine radikale Korrektur des gängigen Medea-Bildes darstellt.
© Thilo Beu

Diese Medea folgt Jason nicht aus Liebe nach Korinth, sie muss vor dem maroden Regierungssystem in Kolchis fliehen. Weil sich die Geflüchtete nicht total assimilieren will und dem dunklen Regierungsgeheimnis auf die Spur kommt, wird Medea erst verleumdet, dann verfolgt. Dabei verkörpert Medea das Ideal einer humanen Gesellschaft. Die Könige von Kolchis und Korinth regieren dagegen nur noch aufgrund von Freveltaten. Die Bewohner von Korinth belügen sich selbst und verdrängen die unbewältigte Vergangenheit. Opportunismus, Mangel an Zivilcourage und Fremdenhass bestimmen ihr Verhalten. Medea machen sie zum Sündenbock.

Autor Doğan Akhanlı, 1957 in der Türkei geboren, politischer Geflüchteter, Experte für die Genozide des 20. Jahrhunderts und Menschenrechtsaktivist, spinnt in diesem Auftragswerk für das Theater Bonn die Version der Medea von Christa Wolf noch einmal weiter, versetzt die Geschichte in eine Art Transitraum, einen Erinnerungsort, der das Griechenland alter Zeiten mit den Geschehnissen vor, nach und während des Jahres 1938 in der türkischen Stadt Dersim verbindet. Er verwebt drei Frauen der türkischen Geschichte in seine Version des antiken Stoffs. Ihr aller Leben spielt sich ab in einem System aus patriarchaler Willkür und Unterdrückung der eigenen Identität. Das Stück ist auf der Suche nach einem Neuanfang, nach neuen Werte-Hierarchien, nach Solidarität, Anerkennung, Demokratie – nach der Zukunft.

Nuran David Calis wurde 1976 als Sohn armenisch-jüdischer Einwanderer aus der Türkei in Bielefeld geboren. Er studierte Regie an der Otto-Falckenberg-Schule und arbeitet als Regisseur, Theater- und Drehbuchautor u. a. am Schauspiel Köln, Deutschen Theater Berlin oder Schauspiel Stuttgart.

Mitwirkende

Doğan Akhanlı(Autor/in)
Christoph Gummert(Schauspieler/in)
Lena Geyer(Schauspieler/in)
Ursula Grossenbacher(Schauspieler/in)
Julia Kathinka Philippi(Schauspieler/in)
Linda Belinda Podszus(Schauspieler/in)
Markus J. Bachmann(Schauspieler/in)
Christian Czeremnych(Schauspieler/in)
Paul Michael Stiehler(Schauspieler/in)
Daniel Stock(Schauspieler/in)
Vivan Bhatti(Komponist/in)
Anne Ehrlich(Bühnenbild)
Anna Sünkel(Kostümbild)
Nuran David Calis(Videodesign)
Thomas Tarnogorski(Lichtdesign)
Boris Kahnert(Lichtdesign)
Nadja Groß(Dramaturgie)
Maximilian Immendorf(Bühnentechnik)
Annika Garling(Bühnentechnik)
Djamilja Brandt(Kostümbild)
Andreas Stubenrauch(Bühnentechnik)
Kerstin Heim(Bühnentechnik)

Spielzeiten

Freitag, 09. September 2022 (Premiere / Uraufführung)

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