Das Werk gilt als der erste große Erfolg einer Opera seria von Rossini und stellt eine Revolution in der Geschichte der Oper dar, wie Stendhal berichtete: «Vor Rossini gab es in der Opera seria oft viel Langeweile und Schläfrigkeit. [...] Rossini brachte in diese Kompositionsgattung Feuer, Leben und die Vollkommenheit der Opera buffa.»
Zwei Jahre nachdem der 18-jährige Gioachino Rossini mit seiner ersten Oper «La cambiale di matrimonio» in Venedig für Aufsehen gesorgt hatte, betraute das Teatro La Fenice in Venedig den jungen Komponisten 1812 erneut mit einem Auftragswerk: Als Vorlage sollte Voltaires bekannte und bereits mehrfach vertonte Tragödie «Tancrède» (1760) dienen. Da Opern mit tragischem Ende im damaligen Italien nur selten Erfolg hatten, entschieden sich Rossini und sein Librettist Gaetano Rossi für ein gattungskonformes Happy End. Für die Wiederaufnahme in Ferrara ein paar Wochen später komponierte Rossini basierend auf den Versen von Luigi Lechi ein tragisches Finale, welches bei TOBS auf die Bühne kommt.
Auch wenn die Oper zu Rossinis Frühwerk zählt, zeigt der Komponist bereits seinen meisterhaften Umgang mit mitreißenden Crescendi und packenden Finali. Und obwohl Rossini heute hauptsächlich als Komponist komischer Opern bekannt ist, bewies der Vielschreiber mit seinem ersten Ausflug in die Opera seria auch auf diesem Gebiet außergewöhnliches Talent: Rossini respektierte zwar das Modell der Opera seria, lotete aber die Grenzen dieser Gattung bereits in Richtung romantischer Oper aus und erreichte in diesem Werk einen faszinierend hohen Grad an melodramatischer Intensität.


