„Der Kirschgarten“, 1904 uraufgeführt, ist Anton Tschechows letztes Drama. Nach fünfjähriger Abwesenheit zieht Andrejewna zurück auf ihr Landgut, das wegen Verschuldung verkauft werden muss. Der Kaufmann Lopachin, dessen Vorfahren dort einst Leibeigene waren, rät, den wunderschönen, doch ertragsarmen Kirschgarten abzuholzen, um Ferienhäuser zu bauen, die man vermieten könne.
Alten russischen Idealen nachtrauernd, verschließen Andrejewna, ihr Bruder Gajew sowie ihre Töchter aber die Augen vor der Realität. Sie träumen vom verblichenen Glanz der Vergangenheit, anstatt über die Zukunft des Gutes zu entscheiden. Im Spannungsverhältnis zwischen sehnsuchtsvollstagnierender Nostalgie und dem Drang nach Veränderung stellen sich über humorvoll-tragische Dialoge die stets aktuellen Fragen: Welche Werte gelten in einer Zeit rasanter industrieller Entwicklungen? Wem kann man vertrauen, und können neureiche Emporkömmlinge in den alten Adel einheiraten?
Deutsch von Thomas Brasch


