Theaterkompass.de Logo

Ein Mythos erwacht zum Leben

Uraufführung/Premiere am 03. Dezember 2022
Die historische Figur der Johanna von Orléans ist voller Widersprüche. Ein einfaches Bauernmädchen, das im 15. Jahrhundert bis zum König vordringt, Soldaten motiviert und selbst in die Schlacht zieht, wird schließlich als Ketzerin verbrannt.
© Sandra Then

Fasziniert von dieser mythischen Heldinnenfigur hat Peter Iljitsch Tschaikowsky 1879 seine vieraktige Oper „Die Jungfrau von Orléans“ geschrieben, die 1881 in St. Petersburg uraufgeführt wurde. Für das Libretto diente Friedrich Schillers gleichnamiges Theaterstück als Quelle.

Vom Diktum, aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine keine russischen Werke aufzuführen, ließ sich die Deutsche Oper am Rhein nicht abschrecken. Sie setzte Tschaikowskys Oper in einer äußerst gelungenen Inszenierung von Elisabeth Stöppler auf den Spielplan; eine Hindeutung auf die Aktualität des Wahnes und die erschreckenden Auswirkungen eines Krieges.

Das Geschehen lässt Stöppler an einem Einheitsort, dem Inneren einer Kirche stattfinden, die nicht nur ein sakraler Raum ist, sondern auch als Zufluchtsstätte für belagerte Menschen, als politischer Repräsentations- und Kampfort dient. Durch die überwiegend jetztzeitige Kleidung wird das Geschehen besonders nahbar.

Eindrucksvoll zeigt Maria Kataeva als Johanna von Orléans die verschiedenen Facetten dieser Figur. Sie wandelt sich vom religiösen Mädchen, das mit jugendlichem Enthusiasmus und mit Kompromisslosigkeit ihr Ziel verfolgt, Orléans von den Feinden zu befreien und dem Dauphin auf den Thron zu helfen, zur verwundeten Kämpferin, der verletzlichen Liebenden und allein gelassenen Angeklagten und Gescheiterten.

Die schwierige Gesangspartie meistert Kataeva beeindruckend und ausdrucksstark. Sergej Khomov als Karl VII. ist dagegen als smarter, führungsschwacher Politiker in teurem Businessanzug gezeichnet, der den imponierenden Auftritt liebt, aber erst durch Johanna und seine Geliebte Agnes Sorel zur Verantwortungsübernahme gedrängt wird. Begleitet wird er von Bodyguards mit Maschinenpistolen und Headphones. Als graue Figur wird Johannas Vater Thibaut d'Arc zum unerbittlichen Verfolger seiner eigenen Tochter. Ihre Kraft verliert Johanna, als sie sich - abweichend von der historischen Figur - in den feindlichen Soldaten Lionel verliebt. Lionel, von Richard Šveda überzeugend dargestellt, ist ebenfalls kein gefestigter Charakter. Er läuft von den burgundischen Feinden zur Partei Johannas über und stirbt im Kampf.

Wenn sich am Ende der Chor zu einem Tableau à la Delacroix zusammenstellt, findet Johanna im feurigen Nebel eines symbolisch angedeuteten Scheiterhaufens ihren Tod.

Mit enthusiastischem Beifall wurde diese beeindruckende, spannend erzählte Inszenierung gefeiert, ebenso wie die starken Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Péter Halász und der beeindruckend agierende Chor unter der Leitung von Gerhard Michalski.

Mitwirkende

Péter Halász(Musikalische Leitung)
Annika Haller(Bühnenbild)
Su Sigmund(Kostümbild)
Volker Weinhart(Lichtdesign)
Anna Melcher(Dramaturgie)
Sergej Khomov(Schauspieler/in)
Luiza Fatyol(Schauspieler/in)
Alexei Botnarciuc(Schauspieler/in)
Evez Abdulla(Schauspieler/in)
Richard Šveda(Schauspieler/in)
Beniamin Pop(Schauspieler/in)
Johannes Preißinger(Schauspieler/in)
Žilvinas Miškinis(Schauspieler/in)
Mara Guseynova(Schauspieler/in)
Maria Kataeva(Schauspieler/in)
Sami Luttinen(Schauspieler/in)
Aleksandr Nesterenko(Schauspieler/in)
Sergej Khomov(Schauspieler/in)
Luiza Fatyol(Schauspieler/in)
Alexei Botnarciuc(Schauspieler/in)
Evez Abdulla(Schauspieler/in)
Richard Šveda(Schauspieler/in)
Beniamin Pop(Schauspieler/in)
Johannes Preißinger(Schauspieler/in)
Žilvinas Miškinis(Schauspieler/in)
Mara Guseynova(Schauspieler/in)
Anna Melcher(Dramaturgie)
Péter Halász(Musikalische Leitung)
Su Sigmund(Kostümbild)
Annika Haller(Bühnenbild)
Volker Weinhart(Lichtdesign)

Spielzeiten

Samstag, 03. Dezember 2022 (Premiere / Uraufführung)

Teile den Beitrag auf

Background image of the page