Sofia Nappi und KOMOCO interessieren sich für die Anderswelt ebenso wie für die Transformation von Puppe in Mensch. Das stark mit Lichteffekten arbeitende Setting und die Commedia dell’arte-inspirierten Kostüme erzeugen eine surreale, märchenhafte Atmosphäre. Statt die Geschichte nachzuerzählen, konzentriert sich die Choreographin jedoch vor allem auf die physischen wie psychischen Aspekte der Metamorphose. Die Tänzer*innen hängen wie an Fäden oder lösen sich davon, sie bewegen sich ungelenk wie Marionetten – und häufig auch wie Tiere.
Noch entscheidender ist die geistige Dimension des Prozesses. Wir erleben gleichsam eine Initiation in mehreren Phasen. Zuerst das unschuldige, impulsive Kind, als nächstes der leicht verführbare Teenager, der den Kick und das Vergnügen sucht – und dann der alles entscheidende und verändernde Moment der Selbsterkenntnis, der bei Nappi wie in Collodis Roman von Mentoren-Figuren begleitet wird. Um erwachsen zu werden, müssen das Kind und der Jugendliche in uns sterben. Und das schmerzt! Sich dem eigenen Selbst zu stellen, setzt Ehrlichkeit gegenüber unseren Schwächen und Fehlern voraus. Gleichzeitig gewinnen wir etwas sehr Wertvolles: wahre Menschlichkeit und – das ist der Choreographin sehr wichtig – den Halt in der Gemeinschaft. Am Ende schließt sich der Kreis. Als reife Menschen finden wir die Verbindung wieder zur Reinheit und Güte unseres inneren Kindes. Denn die närrische Puppe Pinocchio schenkt uns eine selbstermächtigende Erkenntnis: Wir können wählen, wer wir sein wollen.
PUPO entstand in Zusammenarbeit von Burghof Lörrach, Danse Danse Montréal, ecotopia dance productions, Escher Theater, KOMOCO / Sofia Nappi, MART Foundation, ROXY Ulm, Sosta Palmizi, Tanz Köln, Theater Winterthur und Tollhaus Karlsruhe.
Mehr unter: https://www.sostapalmizi.it/en/artisti_associati_/sofia-nappi/


