Das Gericht hat die Strafe gleich von fünf Tagen auf eine Woche aufgerundet. Sein bester Freund Dr. Falke heitert ihn auf und entführt ihn auf eine verrückte Techno-Party, wo Champagner, Spiel, Flirt und Tanz beim maßlos reichen Prinzen Orlofsky nur so fließen. Diese Orlofsky-Szene mit ihrem Konfetti-Regen ist am besten gelungen und verleiht der Inszenierung einen sarkastischen Hintersinn. In der Fassung für Salonorchester klingen auch Jazz-Sequenzen bis hin zu "Besame Mucho" an. Eisensteins Frau Rosalinde kommt das sehr gelegen, denn gerade ist ihr verflossener Liebhaber Alfred wieder bei ihr aufgetaucht und hat sich frech zum Abendessen eingeladen. Dort wird er jedoch anstatt Gabriel von Eisenstein verhaftet.
Auch Rosalinde geht auf Orlofskys Party und will maskiert herausfinden, was ihr Mann so alles anstellt. Victoria Stevens gelingt es, Tempo und Situationskomik ihrer Inszenierung erheblich zu steigern. Eisenstein ist hingerissen von der unbekannten Schönen - und auch Rosalindes Assistentin Adele erscheint ihm in neuem Licht. Er freundet sich sogar mit dem Gefängnisdirektor Frank an. Dr. Falke will nun auch noch Rache nehmen für einen demütigenden Streich, den ihm Eisenstein vor Jahren präsentiert hat. Nachdem er den betrunkenen Dr. Falke in seinem Fledermauskostüm auf einer Bank abgesetzt hat, musste dieser zum Gespött der Leute damit nach Hause laufen, nachdem er seinen Rausch ausgeschlafen hatte. Im Gefängnis gibt sich Eisenstein zudem seiner Frau Rosalinde zu erkennen, die er fälschlich für eine ungarische Gräfin hielt - und es kommt letztendlich zu einem ausgelassenen "Happy End". Eisenstein muss nun von allen überführt um Vergebung bitten.
Das Salonorchester bietet unter der umsichtigen Leitung eine famose Leistung. Falsche Sentimentalität will hier gar nicht erst aufkommen. Alfreds Lied "Täubchen, das entflattert ist" gewinnt ein ironisches Timbre. Orlofskys Couplet mit dem Refrain "'s ist mal bei mir so Sitte" zeigt schillernde Klangfarben. Rosalindes Csardas wird von einer großartigen Darbietung geprägt. Adeles Ariette "Spiel ich die Unschuld vom Lande" erhält erfrischendes Feuer. Das komische Abschiedsterzett im ersten Akt "O je, o je, wie rührt mich dies!" und die fetzig musizierte Tik-Tak-Schnellpolka des spritzigen Duetts zwischen Rosalinde und Eisenstein sind weitere Höhepunkte dieser überzeugenden Aufführung.
Adeles spöttisches Lied "Mein Herr Marquis" gewinnt ebenfalls Format. Alfreds Trinklied "Trinke Liebchen, trinke schnell" gefällt durch feine dynamische Kontraste. Der Galopp "Im Feuerstrom der Reben" sowie der feurige große Walzer zeigen knisternden Schwung. Das irrwitzige Trugspiel mit Maskerade und Rollenwechsel kommt nicht zu kurz, obwohl der Sliwowitz von Frosch fehlt, der so gar nicht betrunken daherkommt. Die "Vie parisienne" im Stil Offenbachs wird in unsere Zeit übertragen. Am Schluss großer Jubel und "Bravo"-Rufe für das Ensemble.


