Bühne und Kostüme von Jörg Zysik entführen die Zuschauer in eine moderne, knallbunte Zeit. Frauen sind dabei niemals treu, alle Männer gleich wertlos. Das Experiment endet in einer Achterbahn der Gefühle und führt die Protagonisten an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Für den Regisseur Guillermo Amaya ist "Cosi fan tutte" Mozarts größter Geniestreich. Seine Inszenierung ist inspiriert von der Bilderwelt von Pedro Almodovar, der mit seinen Filmen das Kraftzentrum der kulturellen Befreiungsbewegung "movida madrilena" im Spanien der frühen 1980er Jahre darstellt.
Die Inszenierung ist visuell geprägt von Almodovars Einfluss, auch wenn man sich manchmal etwas mehr Lebendigkeit wünscht. Die Personenführung ist sehr gelungen und besitzt melodramatische Triebkraft. Die offene Konfrontation mit dem herrschenden Adel lässt nicht lange auf sich warten. Die Frauen sind in dieser Inszenierung eindeutig stärker als die Männer, die um den Finger gewickelt werden. Almodovar zeigt Menschen in ihrer extremen Vielfalt, und die Regie-Arbeit erzählt in fast satirischer Weise von den Machtverhältnissen der Vergangenheit.
Don Alfonsos Motive sind nicht rein aufklärerisch; sein Handeln ist getrieben von tiefen persönlichen Verletzungen. Ob er sein Trauma überwindet, bleibt am Schluss offen. Trotz des C-Dur-Schlusses und der Versöhnung zwischen den Paaren schwebt eine gewisse Melancholie über der Szene. Don Alfonso zeigt sich als Priester und Verführer. Musikalisch ist diese Aufführung ein großer Genuss. Unter der Leitung von Bernhard Epstein musiziert das Stuttgarter Kammerorchester elektrisierend und temperamentvoll, was sich bereits bei der Ouvertüre zeigt.
Der Reiz der Opera buffa blitzt immer wieder hervor, und die musikalischen Einfälle sprudeln nur so hervor. E.T.A. Hoffmann bezeichnete Mozarts "Cosi fan tutte" als "herrliche Oper", obwohl sie nicht so hoch im Kurs steht wie "Die Hochzeit des Figaro" oder "Don Giovanni". Die Komplexität des Thematisch-Motivischen wird von Epstein plastisch herausgearbeitet. Die Paare, die oberflächlich leben, stehen plötzlich vor dem Abgrund, was sich musikalisch deutlich ausdrückt.
Die Abschiedsszene im ersten Akt kommt glänzend zum Vorschein, unterstützt von den Sängerinnen und Sängern, die die Nuancen der Protagonisten gut verdeutlichen. Der Empfindungs- und Spontaneitätsspielraum weitet sich immer mehr aus. Im Terzett "Una bella serenata" in C-Dur werden Töne von verklärter Leuchtkraft hörbar, die einen starken Eindruck hinterlassen. Das A-Dur als typische Tonart der Mozartschen Liebesduette erstrahlt in hellstem Glanz.
Nach der Katastrophe folgt im Finale die Versöhnung mit einem ungewöhnlichen Übergang von As-Dur nach E-Dur. Die Gesellschaft wird von der Vergangenheit eingeholt, während der Militärmarsch pianissimo im Hintergrund erklingt. Lana Maletic brilliert in ihrem Verzweiflungsausbruch in Rezitativ und Arie "Smanie implacabili". Die jagende Bewegung wird präzis akzentuiert.
Zuletzt Jubel und "Bravo"-Rufe des Publikums.


