Silvia soll Dorante heiraten, so will es Madame Orgon. Silvia hat aber erst mal kein Problem damit, unverheiratet zu bleiben. Und überhaupt: Ein Mann mit den richtigen Eigenschaften ist schwer zu finden. Da ihre Angestellte Lisette sich eine Heirat so sehr wünscht, tauschen die beiden kurzerhand Kleidung und Stand. So kann sich Silvia ihren Bräutigam "aus der Ferne" anschauen. Dieser hat allerdings den gleichen Wunsch und die gleiche Idee – und verkleidet sich als sein eigener Angestellter "Bourguignon". Arlequin, Dorantes tatsächlicher Angestellter, gefällt sich sehr in der Rolle des Herrn und macht Lisette den Hof. Die wiederum verliebt sich tatsächlich in ihn. Aber darf sie das? Ist das nicht eigentlich der völlig Falsche? Aus dem Spiel mit der Liebe wird unversehens Ernst, Zufall kann das alles nicht sein. Die Verliebten müssen aber allesamt so tun, als hätten sie ganz andere Gefühle, um den Schein aufrechtzuerhalten.
Marivaux' am häufigsten aufgeführte Liebeskomödie spielt mit Rollen, Erwartungen und Standesunterschieden. Die Maskierten müssen ihre Masken absetzen, um sich zu offenbaren, und schließlich gewinnt die Leidenschaft – sie ist stärker als alle Konventionen. Das Stück lädt dazu ein, in der malerischen Kulisse der Alten Hofhaltung unter freiem Himmel die süße und frische Luft des Sich-Verliebens zu atmen.


