Im Fokus stehen marginalisierte Jugendperspektiven – mit lokalen Berliner Ensembles bis hin zu Kollektiven aus Palästina, Italien, Spanien, Chile, Bolivien und Nigeria. Unter dem Motto Keine Angst! Klassenkampf?! geht es um Arbeit und Streik, um Krieg und Rechtsruck, Migration und Flucht. Die jungen Künstler:innen fragen: Wer oder was ist Klasse? Was heißt Klassenkampf? Woher kommt Unterdrückung? Wie können wir uns wehren und uns ermächtigen? Und kann das Theater zu einem Ort von und für Arbeiter:innenkinder werden?
Programmüberblick
Für jedes Alter: Im Studio REALTALK des Theaters an der Parkaue entwickeln Menschen zwischen 15 und 27 Jahren ein eigenes, performatives Nachrichtenstudio. Sie sprechen über das, was dringlich ist: Über Stress in der Schule und den Rechtsruck innerhalb der Gesellschaft, steigende Preise, Chancenungleichheit und darüber, wie sie Mitbestimmung und Demokratie erleben und gestalten möchten. Gemeinsam fühlen sie unserer Zeit auf den Zahn, schauen kritisch auf Nachrichten und Medien und positionieren sich gegen Rechts. Mit den Mitteln des Theaters stellen sie sich vor, wie alles wäre, würden sie es nach ihren Ideen gestalten. Studio REALTALK macht Nachrichten, die zu gut sind, um jetzt schon wahr zu sein, fantasiert über zukünftige Wege aus aktuellen Krisen und zerstört die Bullshit-Talking Points rechter Erzählungen.
Wie können wir auf der Straße kreativ und künstlerisch intervenieren? Das erforschen vier parallel stattfindende Theaterworkshops der Communitykulturgruppen Tra i Binari (Italien), Teatro en Movimiento Callejerx (Chile/Katalonien), Structures for change (USA/Lettland) und K^B°B° Orchestra (Italien). Alle Gruppen haben Erfahrung damit, Performances mit politischem Inhalt auf die Straße zu bringen. Alle sind eingeladen, mitzumachen, egal ob viel oder gar keine Erfahrung vorhanden ist. Und wer will, macht mit bei der Aufführung am Sonntagnachmittag beim CommUnity Tag im Theater X.
Zum Abschluss von Festiwalla 2024 lädt Theater X zum CommUnity Tag in Moabit! Ab 15 Uhr erwartet die Besucher:innen ein abwechslungsreiches Programm, das den Geist der letzten Tage weiterleben lässt: Die Straßentheater-Workshops präsentieren, was sie gemeinsam gelernt und entwickelt haben. Ganz nach dem Motto „when you eat together, you stick together“ wird ein Buffet eröffnet – denn was verbindet mehr als gemeinsames Essen? An den Ständen können die Linol- und Siebdrucke ergattert werden, die am Vortag unter den Mottos „Streik dem Krieg“ und „Welche Kunst ist Klasse?“ entstanden sind – ein Stück Festiwalla zum Mitnehmen! Der CommUnity Tag soll ein familiäres Abschlussfest sein, bei dem Verbindungen gefeiert werden, die diese Tage geschaffen haben. Egal ob als Teilnehmende oder als Gäste – alle sind herzlich dazu eingeladen, diesen besonderen Höhepunkt gemeinsam zu gestalten und voneinander Kraft zu tanken für das, was als Nächstes kommt.
Das Theater Strahl präsentiert eine partizipative Stückentwicklung von Ensemble Angestrahlt mit Kostümen von Ensemble Angezogen. In der Relaxed Performance übernehmen die Spieler:innen die Theaterinszenierung: Unterstützt von Theaterprofis entscheidet die Gruppe, was auf der Bühne passiert und wie die Kostüme aussehen. Das Ergebnis ist ein unkontrollierbarer Trip an die Grenzen des Chaos.
„Der Rote Wedding“ ist Name einer Arbeiter:innen-Theatertruppe der 1920er Jahre und gleichzeitig Ausdruck der Arbeiter:innen- und Widerstandsgeschichte des Weddings. Der Kiezspaziergang der etwas anderen Art: Eine motivierte Stadtführerin leitet das ortsfremde Publikum durch die Straßen des Weddings. Doch nicht alle Charaktere der Vergangenheit sind mit ihrer Darstellung einverstanden und wollen das Publikum lieber auf die nächste Demonstration einstimmen. Im Ringen und Tauziehen zwischen den Zeiten und Meinungen kommen die eigentlichen Fragen ans Licht: Was haben die Geschehnisse vor 100 Jahren mit uns heute zu tun? Welche Kämpfe sind immer noch relevant? Stehen wir an einem ähnlichen Punkt: Inflation, Krieg, Krisen und Widerstand? Oder ist alles ganz anders?
Am Vormittag ist auf der Großen Bühne eine Geschichte von drei Frauen aus El Alto zu sehen, die den gleichen Vornamen tragen – Victoria. Vereint im Kampf für ein würdiges und freies Leben ohne Gewalt, schließen sie sich zu einem großen Frauenmarsch zusammen, um die Gesellschaft herauszufordern. In jeder der drei Victorias erkennen die Zuschauer:innen gesellschaftliche Probleme, die oft ignoriert werden; und auch die Beharrlichkeit, den Kampf für eine gerechtere Welt für alle Frauen fortzusetzen.
Unter dem Motto Nazis verjagen! Aber wie? findet eine Block Party gegen den Rechtsruck statt: Auf der Bühne sind Hip-Hop, Theaterszenen, Performances, Spoken Word, Gespräche und vieles mehr zu erleben. Selbst aktiv werden kann man beim Graffiti sprayen, Comics zeichnen und Videoclips drehen gegen Rechts. Mit dabei sind verschiedene Gruppen und Künstler:innen.
Eine Musical-Produktion blickt in seiner Recherche rund um Arbeitskämpfe zurück: Vor 100 Jahren beschrieb Brecht, wer im Kapitalismus in den Schlachthof kommt. Aber wer kommt 2024 unter die Räder? Erzählt wird von den Streiks bei Lieferdiensten, von Arbeit, Solidarität und Widerstand. Und von der Frage: Was hat das mit uns zu tun?
Das Berliner Ensemble S.K.E.T. (X) taucht ein in den Salat der vergangenen Jahrzehnte und steht einem Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite: Rheinmetall, einem der größten Waffenexporteure der Welt. Kaum ein Krieg in der Welt wurde in den letzten hundert Jahren nicht mit Waffen von Rheinmetall ausgestattet und versorgt. Trotz Zeit, trotz Rat, Rheinmetall war immer am Start.
Mit dem Forumtheaterstück fragen junge Menschen aus dem Umfeld von RomaTrial und Kuringa: Woher kommt das Gefühl: Ich kann auf keinen Fall machen, was ich will? Ist das wirklich nur meine Familie oder hat das was mit Gesellschaft zu tun? Welche Sicherheit braucht und bietet mir meine Familie, und welche Angst machen uns Rassismus und Gewalt im Alltag? Was gibt mir Liebe und Vertrauen für mein eigenes Leben?
Wie war es möglich, dass fünf Menschen mit Behinderungen es schafften, während der Pandemie im palästinensischen Legislativrat eine Bewegung für ein menschenwürdiges Leben für Menschen mit Behinderungen zu organisieren und anzuführen? Die Aufführung dokumentiert theatralisch den Kampf der Aktivist:innen, die eine der wichtigsten Erfahrungen mit politischen Forderungen in Palästina gemacht haben, und reflektiert kritisch über die Erfahrung des Basta Theaters in der Bewegung und als Community Theater.
Den Festival-Auftakt macht eine Outdoor-Performance, die 2023 aus Protest gegen den Einzug von Amazon uraufgeführt wurde – nun erfährt sie ihre Fortsetzung bei freiem Eintritt.
Larissa Gulitz und Edith-Johanna Dengel bringen ihre gemeinsam entwickelte Performance zur Aufführung: Eine Groteske über Integration, Behördendeutsch und Clownerie.
Im Monolog beschäftigt sich die palästinensische Lyrikerin Dareen Tatours mit der autobiographischen Aufarbeitung ihrer Verhaftung und Inhaftierung durch die israelischen Behörden. Die Schauspielerin Lamis Ammar versucht in dieser Performance, sich dem Text und Tatours Erfahrung zu nähern und zeigt den Monolog in deutscher Fassung.
Der Club Al Hakawati beschäftigt sich mit der „Politik der Angst“ – der Angstmaschine, die Ungeheuer erschafft und uns in einem permanenten Ausnahme- und Krisenzustand leben lässt. Ihr Theaterstück fragt, wie diese Maschine aufgehalten werden kann: Wie kann Angst in kollektive Formen des Klassenkampfes verwandelt werden?
Die multimediale Performance eines nigerianischen Tanztheater-Kollektivs setzt sich kritisch mit Migration in der präkolonialen, kolonialen und postkolonialen Zeit auseinander und verbindet künstlerischen Ausdruck, akademische Forschung und Communityarbeit.
Wie spiegelt sich Klasse in Körpern wider? In ihrer Arbeit lenkt das HomePlus Ensemble die Aufmerksamkeit auf das Leben koreanischer Einwanderinnen der ersten Generation, die unter Gastarbeiterinnenverträgen arbeiteten. Die Performance verwebt persönliche Geschichten und Historie, mündliche Überlieferung, Tänze und Lieder, der Tanz dient als eine Form der Solidarität und Widerstandsfähigkeit inmitten der Herausforderungen der unermüdlichen Pflegearbeit. In der intimen Eins-zu-Eins-Erfahrung sitzt das Publikum neben den Performerinnen und wird zu Zuhörenden und Zeug:innen – so werden die dominanten westlichen Narrative in der zeitgenössischen Kunst hinterfragt und der innewohnende Klassismus der Kunstszene entlarvt.
Die letzte Performance des Festivals erzählt Geschichten aus dem Leben und dem Aufwachsen in einem besetzten Gebiet. Was bedeutet es genau, unter einer Militärbesatzung aufzuwachsen? Wie beeinflusst das den Alltag, das Familienleben, Freundschaften und die Perspektive auf die Zukunft? Durch ihre Geschichten ermutigen sie andere junge Menschen, ebenfalls über ihre Gefühle zu sprechen und Erfahrungen zu teilen.
Ungefragt werden junge Afghan:innen aus ihren sorglosen Kinderspielen herausgerissen und müssen sich den Entscheidungen ihrer Eltern beugen. Von ihrem bisherigen Leben können sie auf dem Weg nach Europa nur mitnehmen, was in einen Rucksack passt. Doch selbst in finsteren Zeiten ist nicht alles dunkel und hoffnungslos. Mit Tanz, Poesie und Theater schildern die Darsteller:innen in Furcht und Hoffnung ihre zutiefst persönlichen Geschichten, die auch die unerzählten Erfahrungen vieler anderer widerspiegeln.
Die Theater-Performance erzählt die bewegende Geschichte von Ali Fathi. Er ist Überlebender eines verheerenden Anschlags und findet Jahre später heraus, dass die Handgranate, die sein Leben veränderte, in Deutschland hergestellt wurde. Durch die Verbindung von persönlicher Tragödie und politischer Verantwortung thematisiert das Ensemble die Auswirkungen deutscher Waffenexporte auf Menschen weltweit. Im anschließenden Gespräch wird das Publikum aktiv eingebunden, um gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren.
Welche Kunst ist Klasse? - Von der Kultur im Klassenkampf. Panel & Diskussion.
Streik dem Krieg! Panel/Versammlung/Diskussion in diversen Sprachen mit deutscher Übersetzung.
Eine interaktive Installation des Club al Hakawati macht historische und aktuelle Klassenkämpfe erlebbar: Vom Arbeitskampf der Gastarbeiter:innen im Deutschland der 1970er Jahre über die Kämpfe der palästinensischen Arbeiter:innen während der britischen Mandatszeit bis zu den gegenwärtigen Kämpfen für das Streikrecht der Arbeiter:innen der GIG-Economy.
Am ersten Festivalabend erwecken eine Pop-up-Performance und die Eröffnungsparty die Geschichte von Körpern im Protest zum Leben: Die Kämpfe der jüdischen sowie der schwarzen Arbeiter:innenklasse waren immer schon von Musik und Tanz geprägt, als Form des widerständigen Zusammenkommens.
Das Wochenende wird mit einem Festiwalla-Highlight eingeleitet: Beats von der Straße, Freestyles für Freiheit, revolutionäre Stimmen aus der Diaspora und den Berliner Straßen erklingen bei einem Hiphop und Rap-Konzert. Die Acts werden in verschiedenen Sprachen sein.
Am letzten Tag sind Teilnehmer:innen und Zuschauer:innen eingeladen, unter dem Motto Ohne Tanzen keine Revolution eine große Abschlussparty zu feiern.
Festiwalla von Theater X ist eine Plattform für junge, marginalisierte Kulturschaffende, ein Kulturereignis zwischen internationalem jungem Kunstfestival, Blockparty, trans-lokalem Fachforum und kulturell-politischer Jam-Session. Festiwalla hat den Anspruch, die Türen des sogenannten Hochkulturbetriebes zu öffnen und bietet jungen Künstler:innen eine Bühne für kulturelle und politische Selbstrepräsentation.


