Aber am Abend, an dem das Stück beginnt, tut sich für Mutter Wolffen die Chance auf, Feuerholz für den ganzen Winter zu ergattern und die Schulden, die auf ihrem Haus lasten, auf einen Schlag abzuzahlen. Dass sie dafür dem Rentier Krüger Holz und Pelz stehlen muss, das weckt mehr ihre kreativ-kriminelle Energie, als dass es ihr Gewissen beschäftigt.
Als Krüger zunächst den Diebstahl des Holzes und drei Tage später den gestohlenen Biberpelz beim Amtsvorsteher von Wehrhahn zur Anzeige bringen will, ist dieser nicht so recht an der Sache interessiert. Er befasst sich lieber mit der Verfolgung von «dunklen Existenzen, politisch verfemten, reichs- und königsfeindlichen Elementen» in Gestalt des Sozialdemokraten Dr. Fleischer. Und außerdem schafft es Mutter Wolffen in zwei großen Szenen, den offensichtlichen Verdacht von sich abzulenken und als Siegerin vom Platz zu gehen.
«Alle Gestalten des Biberpelz habe ich in Erkner kennengelernt», hat Gerhart Hauptmann über seine Komödie gesagt. In der Kleinstadt südöstlich von Berlin hat er 1885 bis 1889 gelebt, und diese Gestalten zählen seit der Uraufführung am 21. September 1893 zu den beliebtesten des deutschen Theaters.

