Das Publikum war außer sich vor Begeisterung, als der 28-jährige Igor Strawinsky am 25. Juni 1910 in der Pariser Oper zum Schlussapplaus vor den Vorhang trat. Der Feuervogel machte ihn über Nacht berühmt und zum Ballettkomponisten par excellence. Das märchenhafte Szenario lässt Gestalten unterschiedlicher russischer Sagenkreise auftreten: So finden sich darin der standhafte Zarewitsch, der die verzauberte Zarentochter erlöst, der wundersame Feuervogel und der böse Zauberer Kaschtschei, die Strawinskys farbenprächtige Musik originell miteinander vereint. Am Ende siegt schlichte Volkstümlichkeit über chromatisches Dunkel und das Gute über das Böse, wie es sich für ein echtes Märchen gehört.
Noch etwas jünger als sein russischer Landsmann war Dmitri Schostakowitsch, der Meister der subversiven Untertöne, als er 1930 sein Ballett Der Bolzen der sowjetischen Kulturbehörde vorlegte. Über die Generalprobe kam das Werk allerdings nie hinaus, denn die aufmerksamen Genossen Stalins gingen der Satire Schostakowitschs über Sabotage und Klassenfeinde nicht auf den Leim. Dabei enthält es einige der schwungvollsten und gewagtesten Musiken, die Schostakowitsch je geschrieben hat. Grund genug, eine Auswahl davon wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen als das, wofür sie einst geschrieben wurde – für den Tanz: schmissig, ironisch, parodistisch!

