Das Parabelstück »Der gute Mensch von Sezuan« ist in einem fiktiven China angesiedelt, wo die Armut groß ist, während die korrupten Reichen ein schönes Leben führen. Die Hauptfigur, die Prostituierte Shen Te, wird von drei Göttern als guter Mensch auserkoren. Sie erhält 1000 Silberdollar und kauft sich von dem Geld ein Tabakgeschäft. Doch durch ihre Naivität und ihr warmherziges Verhalten wird sie zum Opfer von Schmarotzern. Schließlich bleibt ihr keine andere Wahl, als die Maske ihres fiktiven Vetters Shui Ta aufzusetzen, um sich die gierigen Menschen vom Hals zu schaffen.
Bertolt Brecht schrieb sein Stück »Der gute Mensch von Sezuan« zwischen 1938 und 1940 im skandinavischen Exil. Das Stück fasziniert in seiner epischen Erzählkraft durch seine zehn aneinandergereihten Bilder und vielen Brecht’schen Verfremdungseffekten seit jeher. 1943 wurde es in Zürich uraufgeführt, in einer Zeit, in der die Nazis auch die Schweiz bedrohten.
Der neue Magdeburger Schauspieldirektor Tim Kramer kam in seiner Laufbahn immer wieder mit Bertolt Brecht in Berührung, unter anderem durch die Teilnahme an mehreren Brecht-Workshops am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Dieses Stück hat er allerdings noch nie inszeniert: Es sei ein besonderes Anliegen, mit Brecht, der eine große Tradition im Osten genießt, zu starten, so Kramer. Ihn fasziniert das Parabelstück besonders in seiner innewohnenden „lehrhaften Poesie“. Die gesellschaftspolitische Ebene in »Der gute Mensch von Sezuan« sei wichtig für Magdeburg und den mitteldeutschen Raum. Auch 30 Jahre nach der Wende beschäftigen die Menschen hier noch die Umstände und Folgen von unmenschlichem Kapitalismus, ist Kramer überzeugt. Das Bühnenbild (Gernot Sommerfeld) ist bewusst abstrakt gehalten, um dem Publikum einen offenen Assoziationsraum zu bieten. Ergänzend zur Handlung erklingt auch Musik, die mit der Komposition von Paul Dessau arbeitet.

