Der Kaufmann Lopachin, früher Leibeigener Ranjewskajas, weiß einen letzten Ausweg: den Kirschgarten abholzen und kleinteilig verpachten. Ranjewskaja lehnt ab: Ist doch der Kirschgarten, in dem sie die eigene Kindheit verbracht hat, genau das Stück Heimat, das sie so lange vermisst hat. Statt sich Dialog und Wandel zu stellen, hält sie am Bestehenden fest und verliert schließlich alles. Unter dem Geräusch der fallenden Kirschbäume muss Ranjewskaja mit ihrer Familie das Gut und damit eine Welt verlassen, deren Untergang sie nicht aufhalten konnte. Oder wollte?
Der Kirschgarten zählt zu den meistgespielten Werken Anton Tschechows. Im Mittelpunkt eine brüchig werdende Welt, in der das verloren geht, was doch eigentlich „schon immer“ selbstverständlicher Teil der eigenen Identität war. Was passiert, wenn sicher geglaubte Konstanten wegbrechen? In einer Zeit der Um- und Abbrüche, in der nur scheinbar unumstößliche Werte zu Kapital werden, bleibt der Einzelne letztlich allein zurück: Wie konnte es so weit kommen?

