Obwohl sie seit etwa einem halben Jahr von der Affäre ihres Mannes weiß, macht sie ihm weder hysterische Szenen, die ihre Schwester von ihr erwartet, noch flüchtet sie sich in die würdevolle Pose der resignierenden betrogenen Gattin, zu der ihre Mutter rät. Constance erklärt ihr Verhalten damit, dass sie und John nach fünfzehnjähriger Ehe zwar noch Zuneigung und Sympathie füreinander empfinden, ihre Liebe aber schon lange erloschen ist.
Da ihr Mann in jedem Fall verpflichtet ist, für ihren Unterhalt zu sorgen, sie selbst ihm aber kaum mehr etwas zu bieten hat, kann sie ihm nicht verübeln, sich anderweitig zu vergnügen. Constance hält sich zunächst strikt an diesen etwas eigenwilligen „Ehrenkodex“. Dennoch will sie ihr Leben ändern. Sie wird berufstätig. Mit ihrer finanziellen Unabhängigkeit verändern sich auch die Spielregeln.
„Die ideale Frau“ zählt zu William Somerset Maughams bekanntesten Stücken. Das Vorbild für seine Werke fand er ganz offensichtlich in den Gesellschaftskomödien Oscar Wildes. Insofern ist es auch kein Zufall, dass „Die ideale Frau“ und Oscar Wildes „Der ideale Mann“ in dieser Spielzeit direkt aufeinander folgen.
Unter dem Originaltitel „The constant wife“ feierte das Stück im Jahr 1927 am Strand Theatre in London seine Uraufführung. Es wurde mehrfach verfilmt, darunter im Jahr 1962 mit Lilli Palmer als Constance. Für die Produktion liegt das Werk nun in einer zeitgemäßen Neuübersetzung von Michael Raab vor.

